Wie alles anfing...

Neuseeland - ein Traum am anderen Ende der Welt. Ein Land, welches gegensätzlicher gar nicht sein könnte. Nicht umsonst ist es das wohl beliebteste Reiseziel unter Backpackern. Es reicht von saftig grünen Wiesen über weiße Sandstrände bis hin zu Gletschern und tropischem Regenwald. Kein Wunsch bleibt hier unerfüllt.

Auch ich war fasziniert vom Facettenreichtum dieser Gegend. Mit gerade mal 18 Jahren wagte ich den Schritt vom behüteten Heim hinaus ins Unbekannte, in die weite Welt. Ich reiste, ich arbeitete, ich lernte täglich neue Menschen kennen - vor allem aber verliebte ich mich in ein Land, dessen Kultur und Bewohner einmaliger nicht sein könnten.

Doch wie kommt man darauf, gerade ein paar Wochen das Abitur in der Tasche, die Heimat zu verlassen und für mehrere Monate das Weite zu suchen, am anderen Ende der Welt?

Alles fing damit an, dass sich meine beste Freundin Christine im Laufe des letzten Schuljahres in den Kopf gesetzt hatte, nach dem Abitur ein Auslandsjahr irgendwo weit weg zu machen. An dem eigentlichen Findungsprozess war ich also tatsächlich gar nicht wirklich beteiligt. Doch ihre Idee gefiel mir und es dauerte nicht lange, bis sie mich überzeugt hatte, mitzukommen. 
Es vergingen also gefühlt endlose Wochen und Monate, in denen wir Kataloge wälzten, Routen planten und direkt wieder verwarfen, uns letztendlich für eine Auslandsagentur entschieden und schlussendlich nun noch meine Eltern von unserem Vorhaben überzeugen mussten. Denn was wir planten war kein einfacher betreuter Ausflug, es waren mehrere Monate am anderen Ende der Welt, völlig auf uns gestellt und zum damaligen Zeitpunkt noch ohne jeglichen Plan, wie wir dort eigentlich über die Runden kommen wollten. Na dann Prost!

Wir entschieden uns aber genau aus diesem Grund bewusst dafür, dieses Abenteuer nicht völlig auf eigene Faust anzugehen. Und da dieses sogenannte "Gap Year" mittlerweile ja voll im Trend war, gab es genügend gute Agenturen zur Auswahl, die uns beim Planungsprozess unterstützten, Flüge und Visa organisierten und vor Ort für einen festen Ansprechpartner sorgten, sodass wir im Notfall zumindest nicht komplett verloren gehen würden.

Alle nötigen Vorbereitungen waren also getroffen - jetzt konnten wir so langsam aber sicher Panik bekommen. Immerhin lag mit knapp 19.000 km ein nicht gerade kurzer Flug vor uns. 29 Stunden reine Flugzeit und insgesamt beinahe 40 Stunden, die wir unterwegs sein würden. Was fängt man bitte so lange mit sich an?! Bevor ich mir jedoch darüber den Kopf zerbrechen konnte, stand ich vor einem viel größeren Problem... Was zur Hölle nehme ich eigentlich alles mit???

Backpacker reisen ja nun bekanntlich nicht gerade mit schwerem Gepäck. Mir standen also ein großer Rucksack und eine Handtasche zur freien Verfügung, die ich nach belieben vollstopfen konnte. Also mal sehen... ich brauche.... Ja. Was brauche ich eigentlich?

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19.09.2012 21:10 - Neuseeland, ich komme!

Es sind nur noch 5 Tage bis zur großen Abreise aus Deutschland ins ferne Neuseeland. Acht spannende Monate liegen vor mir... Wer weiß was mich in dieser Zeit alles erwartet. Ich bin gespannt...

Bis es los geht ist allerdings noch eine Menge zu tun. Das Packen bereitet mir zwar weniger Schwierigkeiten als ich dachte, aber irgendwie fällt mir alle 5 Minuten doch noch irgendwas ein, was unbedingt noch eingepackt werden muss. Mein Gepäck reicht nun mittlerweile von Kleidung aller Art über einen Wasserkocher, Tee in den verschiedensten Sorten, meinem Schlafsack und dicken Mummelsocken bis hin zu Tütensuppen, Sonnencreme und Blasenpflastern - man weiß ja nie :D

So allmählich kommt auch, so neben der Vorfreude, ein wenig Unsicherheit auf.. was, wenn ich keinen Job finde? ...oder wenn ich sprachliche Probleme bekomme? Nun, zumindest für dieses Problem habe ich eine handliche Lösung im Gepäck. Mein kleines Reisewörterbuch enthält so ziemlich für jede Frage eine passende Antwort und hält für fast alle Situationen die in meinem Wortschatz noch fehlenden Vokabeln bereit. Nun kann ich also auch ohne Probleme beim Friseur sagen was ich will - sowas lernt man ja in der Schule bekanntlich nicht.

Alles in Allem fühle ich mich recht gut vorbereitet, oder auch best prepared für alles was mich erwartet. Am 24. September geht die Reise los... Um es mit meinem kleinen, gelben Freund zu sagen: "Ich bin bereit, jederzeit!" :D

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So lautete mein erster Blogeintrag kurz vor der Ausreise. Recht gefasst für jemanden, der kurz davor stand, das Land zu verlassen und sich ohne jeglichen Plan am anderen Ende der Erde durchzuschlagen. Genau genommen wusste ich bis wir tatsächlich in Neuseeland gelandet waren noch nicht einmal, dass Auckland gar nicht die Hauptstadt dieses kleinen Fleckchen Erdes ist. Aber hey, ich wollte mich ja schließlich überraschen lassen und nicht schon vorher wissen, was auf mich zukommt.

So ging es nun also los. Eine Charly, ein viel zu voll gepackter Rucksack und ein Abenteuer, dessen Ausmaß sich in diesem Moment wohl noch niemand so wirklich bewusst war...