Wendungen, Verschwendungen und Anti-Feminismus

30.12.2020

Ja, besser könnte der Titel das (fast) vergangene Jahr wohl wirklich kaum beschreiben. Es war ein stetiges Auf und Ab, Hin und Her und vor allem ein heilloses Durcheinander. In diesem Sinne - Hallo! Ja, es gibt mich noch. Und glaubt mir, ich hätte wirklich gern zwischenzeitlich immer mal etwas berichtet... es gab nur leider nichts. Ungelogen. Es ist NICHTS passiert dieses Jahr. Zumindest nichts, was berichtenswert gewesen wäre.

Nach meinem letzten Bericht hat sich nicht übermäßig viel getan. Das gesamte Jahr 2020 war im wahrsten Sinne eine ereignislose Verschwendung. Ich habe zwar gefühlte 100 Mal den Arbeitgeber gewechselt, viel gebracht hat mir das allerdings auch nicht. Ich sitze dennoch seit Mitte Dezember wieder in Kurzarbeit Null zuhause und vegetiere vor mich hin.
Nach dem plötzlichen Aus bei Schwarz Weiß Erfurt bin ich zumindest der Sportbranche treu geblieben und arbeite (oder momentan eben auch nicht) aktuell bei einem Fitnessstudio hier in Erfurt am Empfang bzw. an der Bar im Bowlingbereich. Es hat zuvor im Herbst ein kurzes Intermezzo mit FitX gegeben, die neu bei uns aufgemacht haben, jedoch haben diverse Kleinigkeiten dazu geführt, dass diese anfänglich sehr optimistische Zusammenarbeit ein schnelles Ende fand und ich im November schließlich zur Konkurrenz überlief. Und da bin ich nun, wartend auf ein Ende des Lockdowns und mich sehnend nach einem vernünftigen Arbeitsvertrag, dessen Gehalt mich nicht auf allen bekannten Wegen beleidigt. Ob das jemals passieren wird - nun ja, wir werden sehen.

Eine Sache hat sich allerdings tatsächlich verändert. Während ich so durch meine - aktuell doch stark begrenzten - Optionen schwelge, drängt sich mir das Gefühl auf, dass ich an der falschen Stelle auf Erfüllung hoffe. Denn mal ehrlich... ich suche nun seit fast einem Jahrzehnt nach meiner Berufung. Nach einem Job, ja nicht mal, eher nach einer Branche, überhaupt einer groben Richtung, in der ich mich wohl fühle und bestenfalls auch gut bin. Doch wurde ich fündig? Nein. Offensichtlich nicht. 
Ich habe mir nie sonderlich viel aus Karriere gemacht. Auch ein Arbeitstier bin ich wohl nie gewesen. Ich wollte immer genau so viel verdienen, dass ich mich nicht tot arbeiten muss und dennoch neben all meinen Fixkosten noch genug Geld übrig habe, um mir meine Hobbies und Reisen zu finanzieren. Eine Familie? Nee. Kinder... urrrggghhh! Aber ein Partner wäre schon schön. Zu zweit irgendwo am Meer gemeinsam alt werden und alle Freiheiten genießen. Seit ich denken kann (bzw. seit meine Kleine-Mädchen-Prinzessin-Träume vorbei waren) war genau das immer mein Ziel. Und auch wenn ich weiß Gott etliche Lichtjahre davon entfernt war, meinen Traumjob zu finden, so habe ich diesem Motto doch in den letzten Jahren alle Ehre gemacht. Ich bin gereist, habe zahllose verrückte Dinge ausprobiert, immer nebenbei Zeit für meine Hobbies gefunden, die verschiedensten Dinge gesehen und gelernt und all das mit der Freiheit, für niemanden verantwortlich zu sein. Ich war niemandem Rechenschaft schuldig, außer vielleicht mir selbst. Viel Geld hatte ich dabei nie, aber es hat immer gereicht und mir diverse spannende Abenteuer ermöglicht. Kurzum - es war schon ziemlich geil!

Doch auch in dieser Zeit bemerkte ich schon, dass ich wohl nicht ewig so weiter machen kann. Meine Jobs frustrierten mich, so unterschiedlich sie doch waren. Alles war irgendwie okay, aber doch nicht das, was ich mir für mein Leben vorstellte. Zugegeben habe ich schon den ein oder anderen Anspruch, aber wo wären wir, wenn die Menschheit nicht hin und wieder nach Optimierung streben würde? Ich bin ein sehr sensibler und emotionaler Mensch und kann daher erfahrungsgemäß nur eine begrenzte Zeit ausschließlich zum Zwecke des Verdienstes arbeiten. Wenn ich keinen Spaß an dem Job habe, schlägt sich das leider sehr schnell unterbewusst auf meine Psyche und damit auch auf meine Gesundheit nieder. Also was tun? Ich werde in wenigen Wochen 27 Jahre alt. Wie lange soll ich wohl noch nach diesem einen Job suchen, in dem ich aufgehe und Erfüllung finde? Diese Frage begleitet mich schon seit Monaten. Doch erst vor ein paar Wochen kam mir in den Sinn, dass ich den Ansatz völlig falsch gewählt haben könnte.

Brechen wir es doch mal auf das Wesentliche herunter. Ich bin perfekt strukturiert und organisiert, habe gern einen durch gewisse Fixpunkte geregelten Tagesabauf, liebe Listen und Pläne, ich sortiere gern die Leben (...Unterlagen, Klamotten, Wohnungen, eigentlich alles) anderer Leute, gebe nur äußerst ungern Aufgaben ab, weil ich unter ständigem Kontrollzwang leide und liebe es, Menschen zu umsorgen (und herumzukommandieren).

ICH WÄRE DIE PERFEKTE HAUSFRAU!

Ohne Mist, das sage ich schon seit Jahren! Und langsam kommt mir in den Sinn, dass da tatsächlich etwas dran sein könnte. Denn eins hat mir dieses vollkommen unnütze Jahr definitiv gezeigt: Ich bin verdammt gut darin, nicht zu arbeiten. Und eh das jetzt falsch rüber kommt - ich meine damit nicht, dass ich faul zuhause auf der Couch rumsitze, sondern dass ich keinem regulären Job nachgehe und stattdessen den Haushalt schmeiße, koche, wasche, putze, mich um die Hasen kümmere, einkaufen gehe, Nick umsorge und ganz nebenbei noch die Wohnung neu strukturiere, dekoriere, Unterlagen und Finanzen verwalte und eigentlich die Sekretärin unseres Haushalts spiele. Denn das ist es, worin ich wirklich gut bin!
Wo man jetzt vor 100 Jahren noch jubelnd die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätte und mir dazu gratuliert hätte, die perfekte Ehefrau zu sein, sieht das heute leider etwas anders aus. In Zeiten des Feminismus wird einem regelrecht eingeredet, dass Frauen mittlerweile nicht etwa arbeiten dürfen, sondern vielmehr zu arbeiten haben. Als junge Frau in meinem Alter muss man sich heute verstecken, schlecht fühlen und setzt sich einem regelrechten Shitstorm aus, wenn man diese "altmodische" Rollenverteilung befürwortet. Ich zumindest werde immer nur schief angeguckt und mit feministischen Parolen überladen, wenn ich sage, dass die Konstellation vom Mann als Ernährer der Familie und von der Frau als Mutter und Hausfrau eigentlich gar nicht so schlecht ist. Ja, es ist auch schon zu Beleidigungen wie "Mit solchem Hinterweltler-Denken machen dumme Menschen wie du die jahrzehntelange Arbeiten der Feministen nieder" und "Schon traurig wie tief du gesunken bist" gekommen. Aber ist es wirklich so vernichtend für eine Frau, wenn sie sich bewusst für die Rolle als Hausfrau entscheidet und damit glücklich ist? Ich sage keinesfalls, dass es jeder so handhaben sollte, geschweige denn will ich die alten Zeiten wieder zurück. Ich möchte nur mal gerade rücken, dass beides gleichermaßen gute Optionen sein sollten. Denn wo man früher die Rolle als Hausfrau aufgedrückt bekam und vielleicht zuhause bleiben musste, so wird heute oftmals der Spieß umgedreht und man muss arbeiten, weil zuhause bleiben in der Gesellschaft immer weniger eine Option ist. 
Wenn ich mich also dazu entschließen sollte, Kinder zu bekommen und zur Betreuung in den ersten Jahren zuhause zu bleiben, dann bedeutet das nicht, dass ich zu faul zum Arbeiten bin oder ich die Errungenschaften der feministischen Bewegungen nicht wertschätze. Nur sollte dieser Fortschritt neue Möglichkeiten eröffnen, zwischen denen man sich entscheiden kann. Und das muss jede Frau bzw. jedes Paar ganz allein für sich.

Nach ewigem Grübeln und debattieren sind wir jedenfalls überein gekommen, dass wir entgegen aller bisherigen Überzeugungen vielleicht doch Kinder wollen und ich, sofern finanziell machbar, meine Arbeitszeit deutlich einkürzen werde, um für die Familie und den Haushalt zu sorgen.

So, mit dieser Hiobsbotschaft entlasse ich euch nun ins neue Jahr und drücke die Daumen, dass es in 2021 hier wieder etwas lebendiger wird!

Happy New Year