Weitsicht und Sehnsucht

Und wieder neigt sich ein Tag hier oben dem Ende zu. Ich bin draußen, in den Wäldern dieser Gegend. Von etwas weiter weg sieht Malente gar nicht mal so schlimm aus. Ich genieße die Freiheit hier oben. Nichts liegt vor mir, nur die Wiesen und Wälder rund um den Dieksee.

Ich setze mich, halte für einen Moment das Gesicht in die Sonne. Durchatmen. Den Kopf frei kriegen. Die vergangenen Tage haben mir so unglaublich gut getan. Ich habe so viel Energie getankt, so viel von meinem alten Spirit zurückgewonnen, dass ich momentan vor Tatendrang kaum aufzuhalten bin. Jeden Tag kommen mir neue Ideen, neue Wünsche, neue Ziele.

Ich kann schon jetzt kaum noch das Ende der Ausbildung abwarten! Ich hab so viel vor, will noch so vieles sehen und ausprobieren. Ich will mehr... raus aus dieser Enge, hinaus in die Welt. Vielleicht ein halbes Jahr in Australien arbeiten, surfen lernen. Eine Saison auf's Schiff, die Kreuzfahrtenbranche von innen kennen lernen und gleichzeitig die Weltmeere erkunden. Ich möchte unterwegs sein, von meinen Reisen und Erlebnissen berichten. Unaufhaltsam.

Wie ich so hier sitze, die Aussicht genieße und darüber philosophiere, wohin mich mein Weg wohl in den nächsten Jahren führen wird, muss ich unweigerlich an Dich denken. Du kreist schon wieder seit Tagen in meinem Kopf herum... Genau genommen bin ich dich nie wirklich losgeworden. Du fehlst mir hier oben. Es ist anders ohne dich. Ich bin es so sehr gewöhnt, dich regelmäßig um mich zu haben, dass ich mich hier schon beinahe nach dir sehne.

Mein Blick schweift von der Aussicht ab. Ich starre einfach nur noch ins Leere. Irgendwo in die Ferne, in die Weiten von Malente. Und auf einmal bist wieder überall nur noch Du. Die ganze Zeit über habe ich versucht von dir loszukommen. Dich auszublenden. Abstand zu gewinnen und mal nicht an dich zu denken. Vergeblich.

"Trying not to love you... only makes me love you more." - Nickelback

Mit jedem Tag, den ich hier bin, wird mir deutlicher, wie sehr du mir wirklich fehlst. Mir ist völlig klar, dass eine Beziehung zwischen uns zum Scheitern verurteilt wäre. Und dennoch bin ich mittlerweile an dem Punkt, an dem ich dieses Risiko eingehen und es versuchen würde. Ich will einfach mehr... Mehr von dir. Und vor allem möchte ich endlich eine Rolle in deinem Leben spielen.

Wie oft habe ich schon davon geträumt, einfach einmal neben dir einzuschlafen. Wie oft saß ich abends auf der Couch und habe mir vorgestellt, wie es wohl wäre mit dir hier zu sein. Einfach so. Völlig unverbindlich. Ungezwungen. Einfach mal Zeit miteinander verbringen. Freundschaftlich. Nach der Arbeit mit Pizza und einer DVD auf der Couch liegen, über Gott und die Welt reden und einfach die Zeit genießen. Am Wochenende spontan zum Strand fahren. Gemeinsam mit Anderen nach Feierabend mal was trinken gehen... Aber das würdest du nie tun... Da ist nach wie vor diese Distanz zwischen uns. Irgendwas hält dich immer noch emotional von mir fern. Aus irgendeinem Grund lässt du es nicht zu, dass wir uns näher kennen lernen. Dass sich tatsächlich so etwas wie eine Freundschaft zwischen uns entwickeln könnte, die auch nach außen Bestand hat...

Die Sonne verzieht sich. Es wird langsam kalt und ich beschließe zurück zu gehen. Ich werde wohl nie verstehen, was in deinem Kopf vorgeht... Fakt ist jedoch, dass du aus meinem so schnell wohl nicht wieder heraus kommst.