Versteckspiel

Eine ziemlich lange Busfahrt neigte sich langsam aber sicher dem Ende hin. Die Sonne ging allmählich unter, als ich die Stadt erreichte, die ich einst mein Zuhause nannte. Ein Vierteljahr bin ich nun nicht mehr hier gewesen. Die Fahrt war lang, aber recht entspannt. Und doch war ich völlig fertig mit den Nerven, als ich endlich ankam. Und alles nur wegen dir...

Wie viel ist ein Mensch bereit zu verzeihen? Und zu welchem Preis? Wie viel werde ich dir durchgehen lassen? Und wofür? Was ist zu viel für mich? Und wie oft wirst du mich hinterher wieder um den Finger wickeln können? Was ist mir dieses "Vielleicht" zwischen uns wert? Wie viel bin ich bereit dafür zu geben? Hat es überhaupt einen Sinn? Und wenn ja, welchen? Was wird daraus? Wird überhaupt etwas daraus? Oder ist das jetzt alles, was es jemals sein wird? Die Endstation? Ist es nichts, ist es etwas, ist es mehr? Ist es das für dich, was es für mich ist?
Dienstag noch dachte ich, es wäre vorbei. Donnerstag war es mehr denn je. Und jetzt, jetzt stehen wir wieder an diesem Punkt, an dem ich zu viel an dich denke und nicht weiß, wann der nächste große Crash kommt.

Kurz zuvor im Bus - Gespräch mit Tami:
"Wieso muss ich mich eigentlich immer dann verlieben, wenn es völlig unpassend ist?"
"Warum muss man sich auch immer in unpassende Menschen verlieben?"
Noch bevor ich diese Worte aussprach, wusste ich, dass ich auf eine Antwort darauf wohl noch sehr lange vergeblich warten würde.

Jeder kennt wohl diese Situation, dass man immer genau das will, was man nicht haben kann. Doch hattet ihr es schon mal, dass ihr nicht leugnen konntet, dass ihr etwas wollt, wovon ihr aber eigentlich wisst, dass ihr es - sobald ihr es habt - eigentlich doch nicht wollt?
Ich will dich nicht. Nicht für mehr. Aber ich kann dich auch nicht einfach gehen lassen. Mehr wäre zwischen uns undenkbar. Das würde im Leben nicht gut gehen. Aber irgendwas ist da trotzdem... das kann ich nicht leugnen.
Die ganze Fahrt habe ich an nichts anderes gedacht als an dich. Und daran, was ich will oder nicht will. Und so langsam glaube ich, dass ich weiß, was mich an dieser Situation gerade so sehr stört. Ich will nicht mehr oder weniger. Das, was zwischen uns ist, ist genau richtig. Aber ich will es endlich zeigen können. Ich will es nicht mehr verstecken müssen... Von mir aus soll es jeder wissen! Aber diesen Schritt würdest du niemals gehen...

"Bilder von Dir"
Laith Al-Deen

"Meine Worte hüllt in Schweigen

so können sie nicht flieh'n.
Das was dunkel macht das bleibt
Und lässt das andre zieh'n.
Tausend Spuren und Gedanken

nicht das kleinste Stück von mir.
du lässt mich taumeln, lässt mich wanken
die Luft ist voll von dir."

An diesem Abend liege ich noch lange wach. Wieder eine schlaflose Nacht. Wieder denke ich nur an dich. Nichts anderes hat gerade Platz in meinem Kopf... Du.

Nur du? Nein... während dieser stundenlangen Busfahrt hat sich ganz unbemerkt noch ein weiterer Gedanke in meinen Kopf geschlichen. Je weiter ich mich von Hamburg entfernte, desto weiter rückten die üblichen Gedanken und Träumereien in den Hintergrund.
Denn dieser kurze Besuch hier war mehr als nur "nach Hause kommen"... Ich werde wieder an den Ort zurück kommen, an dem es vor langer Zeit mal noch ein UNS gab...

"Fall for you"
Secondhand Serenade

"The best thing about tonight's that we're not fighting.

Could it be that we have been this way before?"

Wie lange ist es her... Zwei Monate? Drei? Wann haben wir das letzte Mal wirklich miteinander geredet, uns in die Augen sehen können. Ich kann mich kaum noch erinnern. Eine gefühlte Ewigkeit ist seitdem vergangen. Und als ich die Nachricht an dich abschickte, hatte ich ehrlich gesagt nicht einmal mit einer Antwort gerechnet. Aber sie kam...
Auch wenn die Funkstille der letzten Monate gut war - es fühlt sich richtig an mit dir zu schreiben. Es tut endlich nicht mehr weh. Tatsächlich hatte ich am Ende kaum noch einen Gedanken an dich verloren. Jeder hatte sein Leben... und jetzt... bist du wieder da. Einfach so.
Ich hab dich vermisst.

Wie lange hatte ich auf diesen Moment gehofft... dieser Tag, an dem einfach nichts mehr zwischen uns steht. An dem wir uns unterhalten können, als wäre nie etwas gewesen. Wie alte Bekannte. Einfach so. Ungezwungen.
Vielleicht haben wir nach all dem doch noch irgendwie die Chance Freunde zu werden...