Veränderungen und Gegenüberstehen.

"A year ago I would've never guessed that life could be the way it is now."
Es gibt kaum etwas, was mich so tief innerlich glücklich macht, wie Sonnenaufgänge.

Wie könnte ein Tag schöner beginnen, als von den ersten tieforangen Lichtstrahlen des Tages getroffen zu werden, wenn die Sonne über verschneiten Feldern aufgeht. Der Himmel ist klar, die Luft eiskalt. Auch im März stecken die Temperaturen noch tief im Minusbereich. Es ist kurzum perfektes Winterwetter.
Der Zug rast weiter durch die schneebedeckten Dörfer vor Hamburg. Ich werde langsam wach. Es ist 7:15Uhr. Mein langes Wochenende beginnt...

Es geht nach Sachsen. Also erst mal nach Halle, aber das liegt so nah dran, dass ich es in der Regel einfach mit dazu zähle. 5 Tage darf ich in der Heimat verbringen. Und wie immer kann ich mich vor Vorfreude schon seit Tagen kaum halten. Ich sehe meine beste Freundin, meine Großeltern, kann endlich mal wieder Volleyball spielen, normales Deutsch reden und zu meinem Lieblingsasiaten gehen. Klar, ich könnte genauso gut hier in Hamburg zum Asiaten gehen, aber das fühlt sich anders an. Es ist einfach nicht Zuhause...

Die Deutsche Bahn war nach dem Kältechaos der vergangenen Woche heute sogar tatsächlich mal pünktlich! Ich hatte also noch genug Zeit, um mich am Bahnhof um ein einigermaßen vernünftiges Frühstück zu kümmern. All meine Ambitionen gesund zu frühstücken wurden allerdings direkt nach dem Rührei mit Obstsalat von einer überdimensionalen Streußelschnecke zunichte gemacht. Und so ging es satt und überzuckert mit dem ICE in Richtung Heimat.

Trotz der mit 5 Stunden Schlaf eindeutig zu kurzen Nacht und Schmerzen in jedem noch so kleinen Muskel meines Körpers fühle ich mich gut und vergleichsweise ausgeglichen. Mag an dem Box-Kurs von gestern Abend liegen - ich hab wohl Talent im Vermöbeln, wie sich gezeigt hat. Es war die anstrengendste Trainingssession seit langem, aber auch die spaßigste.

Der Zug fährt ein. Ich bin da. Hallo Halle!

Es ist ein komisches Gefühl, sich so sehr mit einem Ort verbunden zu fühlen, der eigentlich nie wirklich mein Zuhause war und doch einen so wichtigen Teil meines Lebens ausmacht. Und doch war es dieses Mal anders hier anzukommen. Es fühlt sich an wie Urlaub. Alles an diesem Ort ist ein Teil meines vergangenen Lebens, aber nichts davon bin mehr ich. Ich gehöre nicht mehr hier her. Und es fühlt sich gut an!

5 Tage Urlaub. 3 Tage an einem Ort, den ich hinter mir gelassen habe und 2 Tage in Leipzig, ein Ort, der mich an meine Kindheit erinnert. Gesamt, einfach eine kurze Auszeit von mir selbst.

Die ersten Tage des Wochenendes vergingen wie im Flug. Ein bisschen durch Halle spaziert, mit Bea Kuchen gebacken, Volleyball gespielt, feiern gewesen... Der Abend war gut, der DJ schlecht. Er mochte offenbar kein Eurodance... Wie die Tage hier vergingen, so wurde mir immer deutlicher, wie sehr ich mich in den letzten Monaten verändert habe. So vieles hier war einfach wie früher... und doch fühlte es sich so völlig anders an...

Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es mich einmal vom Volleyball weg zieht. Aber dieses Wochenende habe ich wieder deutlich gemerkt, wie sehr ich mich von meinem ehemaligen Lebensmittelpunkt entfernt habe. Es ist nicht mehr mein Sport. Nein, es ist nicht mal mehr wirklich ein Hobby. Es ist einfach nur noch etwas, dass ich mal gemacht habe.

Ich stand mir in diesen Tagen hier sehr oft selbst gegenüber. Auf der einen Seite das Mädchen, das Volleyball liebt, für die Mannschaft lebt und am liebsten jeden Tag spielen möchte. Auf der anderen Seite ein absoluter Einzelkämpfer, der täglich beim Krafttraining seine Grenzen austestet und Boxen als neues Hobby für sich entdeckt hat. Auf der einen Seite die hübsche Blonde, die mit aufwendigem Makeup, einem glamourösen Outfit und den höchsten Schuhen feiern geht, nur um zu tanzen. Und auf der anderen Seite jemand, der der Musik wegen feiern geht, im Club keinen Alkohol mehr trinkt (und trotzdem verkatert aufsteht) und in Turnschuhen und bequemen Klamotten nur noch zu ausgewählten Events geht, auf denen auch ganz sicher 90er und 2000er laufen. Und wieder - auf der einen Seite die Gesellige, die gar nicht genug Leute kennen konnte und immer mit jedem was zu tun haben wollte. Und nun ein notorischer Einzelgänger, der am liebsten den ganzen Tag seine Ruhe hat und glücklich ist, in der Freizeit niemanden sehen zu müssen.

Vieles von früher bin ich noch immer. Aber es hat sich auch sehr viel verändert, was mich in den Grundlagen ausmacht. Und mit jedem Jahr fällt mir mehr auf, wie sehr sich ein Mensch verändern kann. In ein paar Tagen werde ich 24...

Es ist Sonntag. Nach wiederholt nur ungenügenden 5 Stunden Schlaf liege ich Müsli essend auf Bea's Couch. Mein Kopf ist hellwach, mein Körper jedoch nach wie vor müde und beherrscht von Muskelkater. Auch wenn ich Halle von jetzt an wohl mit völlig anderen Augen sehe, hat es unglaublich gut getan, her zu kommen. Heute Nachmittag geht es weiter nach Leipzig - und wer weiß, was mich da erwartet...