Let the journey begin

Wow - ereignisreicher hätte die erste Woche wohl kaum sein können! Nachdem die ersten Tage nervlich ein wenig anstrengend waren, verlief der Rest der Woche beinahe besorgniserregend harmonisch. 

Seit Selina eine Jobzusage für die Ranch hatte, war sie wie ausgewechselt und teils vor Adrenalin kaum noch zu halten. Krissi und ich sind nun auch zu unseren ursprünglichen Plänen zurückgekehrt und von nun an erst mal gemeinsam unterwegs.

Es ist nun genau eine Woche her, dass wir in Sydney angekommen sind. Aber wenn ich ehrlich bin, fühlt es sich an als wäre ich schon ewig unterwegs.

Es fasziniert mich immer wieder, wie anpassungsfähig der Mensch doch ist. Ich habe mich so schnell wieder in die Rolle des Backpackers hinein gefunden, dass man glatt denken könnte, ich hätte nie etwas anderes gemacht. Ich möchte nun nicht behaupten, dass ich gut darin bin, denn dann würde ich nicht jeden Tag Pestonudeln mit Dosenlachs essen, aber ich hab mich wohl schon dümmer angestellt bei manchen Dingen.

Nachdem wir die City und Bondi Beach direkt zu Anfang erfolgreich von der To Do Liste streichen konnten, stand nun für den Sonntag der erste große Ausflug an. Da man hier sonntags im öffentlichen Nahverkehr für 2.80$ den ganzen Tag überall hinfahren kann, bietet sich eine Tour zu den etwas weiter entfernten Zielen natürlich an.

Unser Ziel hieß also: Royal National Park und Figure 8 Pools

Pünktlich früh um 10 ging es also mit einer ordentlichen Portion Pancakes im Magen zum Zug, eine Stunde lang, in Richtung Süden. Von der Otford Station führt direkt ein Wanderweg bis hinunter zum Strand, wo die berühmten Figure 8 Pools liegen. Man muss hier tatsächlich bei der Planung tierisch aufpassen, dass man die Ebbe abpasst. Kommt man zu früh oder zu spät, liegen die Pools unter Wasser. 

Der Coast Track ist 6,3km lang und führt entgegen des Namens tatsächlich mehr durch Wald, als wirklich an der Küste entlang. Umso schöner ist es jedoch, wenn man durch den dichten Buschwald hin und wieder die Wellen rauschen hört oder ein bisschen Meer sieht. 
Zwei Stunden ging es also fröhlich auf und ab und auf und ab. Es wurden (natürlich) ohne Ende Fotos gemacht, das Pausenbrot war alle bevor wir überhaupt ansatzweise da waren und auch der erste Sonnenbrand ließ nicht lange auf sich warten.

Je näher wir dem Ziel kamen, desto schöner wurde auch die Aussicht. Die letzten Meter läuft man nur noch durch hohes Gras (nein, keine Pokemon gefunden), bevor man schließlich den Strand erreicht.

Egal wo ich hier hinsehe, alles ist einfach atemberaubend schön! Die Wellen sind hoch, der Sand ist warm und weich und wie schon vor 7 Jahren (!!!) in Neuseeland ist das Grün hier einfach irgendwie grüner. Nur das Meer ist noch ziemlich kalt, was mich aber tatsächlich nicht daran hindert, gelegentlich die Füße ins Wasser zu halten.

Nach Wandern und Klettern erreichten wir gegen frühen Nachmittag dann auch irgendwann die Figure 8 Pools. Dem Namen kann man ja nun schon das meiste entnehmen - es sind eben Löcher im Boden, wie kleine Pools, die aussehen wie eine große Acht.

...ja, das war wohl die beste Erklärung meines Lebens. Möglicherweise die Nachwirkungen des gestrigen Karaokeabends im O'Mellys. Man weiß es nicht. 

Die Bilder jedenfalls sollten zeigen, was ich gerade versuche zu erklären und auch ungefähr einen Eindruck davon verschaffen, wie cool dieser Ort ist. Auch wenn das Wasser dort drin wirklich eisig war, ließ es sich natürlich niemand nehmen, für das perfekte Foto buchstäblich ins kalte Wasser zu springen.

Tatsächlich sieht es auf den Bildern nur so aus, als ob da weit und breit keine anderen Menschen wären. Hätte mich zwar gefreut, war aber leider nicht so. Da die Wellen auch hier ziemlich viel Kraft haben und gerne mal den ein oder anderen Touristen umwerfen, zogen sich die meisten Besucher auf die Felsen hinter den Pools zurück. Wir kamen kurz vor dem Einsetzen der Flut, entsprechend hoch war also die Chance vom Wasser mitgenommen zu werden.

Uns hat es zum Glück nicht erwischt, aber einige hatten die Ehre den Boden etwas intensiver kennen zu lernen. So ging der ein oder andere ziemlich blutig aus diesem Spaß heraus.

Alles was ich mitnahm waren blaue Lippen und gefrorene Füße. Und doch war das Erlebnis jedes Zittern wert!

Figure 8 Pools

Auf einen so ereignis- und kilometerreichen Tag folgt in der Regel ja eine etwas ausgiebigere Ruhephase. So nahmen wir uns also den Montag frei um zu regenerieren und die kommenden Wochen zu planen.
Selina würde ab Dienstag ihren Job anfangen, wodurch Krissi und ich noch eine Woche gemeinsam in Sydney wären und anschließend ja entweder arbeiten oder reisen wollten, je nach dem, was sich ergibt. Nun, es hat sich in der Tat etwas ergeben. 

Am kommenden Dienstag beginnen wir eine einmonatige Reise von Sydney nach Cairns!

Mit dem Greyhound Bus werden wir über Nacht bis nach Byron Bay hoch fahren und dort unsere Tour starten. Es geht also gleich mit ordentlich Action los! Da die Fruit Picking Season im Norden gerade losgeht, erhoffen wir uns in der Region um Cairns einen Job irgendwo auf einer Farm, mit dem wir erst mal wieder ein bisschen Geld verdienen können. Da ich die Tage eh für mein zweites Visum brauche, bietet sich das auch gleich an, eine Weile dort zu bleiben. 

Nun ja, so viel von mir - die nächsten Tage werden denke ich etwas ruhiger werden und größtenteils daraus bestehen die restlichen Ecken Sydneys zu erkunden, bevor wir weiter ziehen. Spätestens am Wochenende hört ihr dann wohl auch wieder von mir, denn Sonntag geht es in die Blue Mountains!