Wiedersehen in Sao Paulo

Second Stop - Sao Paulo! Auf diesen Moment habe ich 3 Jahre lang gewartet. Ziemlich genau sogar. Vor 3 Jahren und 2 Tagen verließ ich New York City und damit auch Jessica. Wir kannten uns aus Bosten und sie lebte mittlerweile in Connecticut nahe der Metropole NYC. Als wir uns verabschiedeten, versprach ich ihr, dass wir uns das nächste Mal in Brasilien sehen würden. Dass ich diesen Traum nun tatsächlich in die Tat umsetzen kann, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht. Aber hier bin ich nun!

Sao Paulo ist das ganze Gegenteil von Rio de Janeiro. Als Arbeiterstadt gewachsen, bietet sie auf den ersten Blick nur wenig sehenswertes. Ein Grund mehr, die Stadt mit einem Local zu erkunden! Sie kennt sich schließlich hier am besten aus und würde ganz genau wissen, was ich hier auf keinen Fall verpassen darf.

Ich erreichte den Flughafen von Sao Paulo in Guarulhos am frühen Nachmittag. Mit einem kurzen Zwischenstop in einer brasilianischen Bäckerei, in der es meine ersten Coxinhas gab, ging es zu Jessica. Ihre Familie hat ein kleines Haus in einem der besseren Wohnviertel der Stadt. Nichts besonderes, aber doch gemütlich und einladend.

Wir verbrachten den Abend bei ihr und fuhren später für einen ersten Eindruck nach Downtown Sao Paulo. Bei Nacht wirkt diese Stadt beinahe wie ein kleines Manhatten. Da waren wir also wieder - die New York City Girls im Manhatten von Brasilien!
Bei einem Caipirinha in der SKYE Rooftop Bar lässt sich die Stadt in aller Ruhe bewundern. Und auch wenn ich hier erst zwei Caipis hatte, wird es doch ziemlich schwierig werden, in Deutschland ein vernünftiges Äquivalent dazu zu finden.

Im Gegensatz zu Rio beginnen die Tage in Sao Paulo für mich etwas später - allgemein ist der ganze Tagesablauf der Brasilianer irgendwie ein paar Stunden nach hinten gerückt. Wer erst um 10 aufsteht, der isst eben auch erst um 22:00 Uhr Abendbrot. Ein Lebensstil, tötlich für Menschen mit normalem Biorhythmus. 

Wir verbrachten den Vormittag in einem Randbezirk der Stadt mit einer kleinen Shoppingtour. Wenn man schon mal in Brasilien ist, darf das schließlich nicht fehlen! Mit vollen Tüten zogen wir mittags weiter ins Vila Madalena.

Das ist also Kunst. Wer denkt, dass Graffiti nicht schön sein kann, der sollte sich unbedingt ein mal hier umsehen!
Ganze Straßenzüge sind hier in den buntesten Farben bemalt. Die Motive reichen von Comics über Tiere bis hin zu abstrakten Gebilden, die die Straßen leuchten lassen.

Es gibt einen kleinen Hippie Markt in den Straßen, der das Feeling eines Künstlerviertels noch ein wenig mehr unterstreicht. 

Tatsächlich gab es kaum Touristen hier. Es waren viel mehr die Brasilianer selbst, die Fotos von sich vor den bunten Wänden machten und über den Markt schlenderten. 

Graffiti

Zum Lunch blieben wir noch im Vila Madalena. Es gibt hier wahnsinnig viele hübsche Cafés und Restaurants, in denen man von landestypischer Küche bis hin zu exotischen Gerichten alles probieren kann. Wir entschieden uns für ein brasilianisches BBQ Restaurant und verbrachten die Mittagsstunden außerhalb der Sonne, die auch heute ununterbrochen vom Himmel strahlte.

Dieses Viertel ist wirklich faszinierend. Es gibt an jeder Ecke irgendetwas zu sehen, zu entdecken. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. 

Definitiv einen Ausflug wert!


An Kunst hat diese Stadt im Allgemeinen sehr viel zu bieten. Neben Street Art sind auch zahlreiche Galerien verschiedenster Künstler hier zu finden.

So endete unser Ausflug schließlich im Farol Santander Building mit einer weiteren Ausstellung. Moderne Kunst. Eine Art Spiegelsaal mit diversen Lichteffekten und geometrischen Formen. Man braucht erst ein mal einen Moment um sich zurecht zu finden, denn für die ersten Minuten ist es sehr schwer zu unterscheiden, welche Menschen in diesem Raum real sind, und wann man Gefahr läuft, beim Überholen gegen einen Spiegel zu rennen.

Von hier oben, im 27. Stock, hat man einen unglaublichen Ausblick über die Stadt. Sao Paulo ist wirklich riesig! Mit ca. 21 Mio Einwohnern ist sie die zehntgrößte Stadt der Welt. Und tatsächlich hat man das Gefühl, wenn man durch die Straßen fährt, dass das alles hier kein wirkliches Ende hat. Es ist einfach zu groß.

Es heißt immer, Sao Paulo wäre eine reine Arbeiterstadt. Hier gibt es nichts zu sehen. Weit gefehlt! Ja, es ist eine Arbeiterstadt. Aber wann immer ich das Stadtgebiet betreten habe, hatte ich das Gefühl ich sei in New York. Es gibt unglaublich viele Ähnlichkeiten und wenn ich ehrlich bin, hätte ich in so manchem Moment wirklich beinahe vergessen, dass ich in Brasilien bin. 

Sao Paulo ist vielleicht nicht übersät mit Sehenswürdigkeiten, wie Rio de Janeiro es ist, jedoch hat diese Stadt auf ganz andere Art und Weise ihren Charme.

Und wenn ich ehrlich bin, gefällt mir Rio zwar als Urlaubsort echt gut, aber zum Leben würde ich eher nach Sao Paulo gehen.

Den Sonntag verbrachte ich mit Jessica und ihrer Familie im Finanzzentrum der Stadt. Die Avenida Paulista erwacht jeden Sonntag durch verschiedenste Stände und Feste zum Leben. Hunderte Menschen kommen jeden Sonntag einfach hier her, um die Straße entlang zu schlendern. Es ist wie ein kleines Street Festival, nur eben ohne Anlass und jedes Wochenende. Typisch Brasilien!

Für mich ist es nach 3 Tagen nun Zeit zurück nach Rio de Janeiro zu fliegen. Auch wenn dieser Besuch nur sehr kurz war, habe ich wahnsinnig viel sehen und erleben können und dank Jessica einen echten Einblick in das Leben hier bekommen. Es ist völlig anders als alles, was ich gewohnt bin, aber durchaus eine Erfahrung wert.

Brazil, I like you!