One step forward, two steps back.

13.02.2020

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Und nie war dieser Spruch zutreffender als jetzt. Ich hab es also getan - ich bin zurück in Erfurt. Was ich davon halten soll? Nun, ganz ehrlich... das weiß ich selbst nicht.

Mit dem Schritt nach Australien war ich nun endgültig da, wo ich immer sein wollte. Ein freies, unbestimmtes Leben. Auf der Sonnenseite der Welt, den Abenteuern entgegen. Reisen, hier und da Arbeiten. Irgendwo zwischen Himmel und Wirklichkeit. Und da gehörte ich auch hin...
Nun, dass es dabei nicht geblieben ist, sollte nun mittlerweile kein Geheimnis mehr sein. Australien wurde nach 6 Wochen wieder zu Erfurt, die Freiheit ist einem dauerhaften Wohnsitz gewichen, Farmwork und Schafe schären unter freiem Himmel wurde zu einem 3,5-jährigen Arbeitsvertrag mit Bürojob und Fernstudium... und aus der Fernbeziehung wurde eine Verlobung. Wer sich jetzt auch die Frage stellt "Sag mal, bist du noch zu retten?!", den heiße ich herzlich Willkommen in meinem Kopf. So geht's mir nämlich auch.

Nun, was soll ich sagen. 


Dass ich kein Kopfmensch bin, das wissen wir alle. Ich entscheide aus dem Bauch heraus und in der Regel auch ziemlich überstürzt. Immer. Und meistens ist das auch ganz gut so (außer es geht um Männer, da hat sich dieses Prinzip bisher eher als fragwürdig erwiesen). Ob meine innere Mitte dieses Mal nicht doch einen Schritt zu weit gegangen ist, das wird sich wohl in den nächsten Monaten zeigen.
Es fühlt sich nicht falsch an wieder hier zu sein. Aber mein Leben hat von einem Tag auf den Anderen eine 180°-Wende hingelegt und davon ist mir zugegeben immer noch ziemlich schwindelig. Es ist, als hätte ich mit einem Schritt nach vorn gleichzeitig zwei zurück gemacht.

Jedenfalls beziehe ich mit dem Ende dieser Woche nun auch endlich wieder meine eigenen 4 Wände und hoffe inständig, dass sich dadurch wenigstens ein bisschen das Gefühl von Zuhause einstellt. Große Schritte in Richtung Sonne, Strand und "Ganz weit weg" werden sich nämlich so bald wohl nicht realisieren lassen. Vielleicht fahr' ich mal an die Ostsee, wenn das Wetter passt und mein Konto "Ja" sagt.

Beruflich (schon) wieder bei Null anzufangen war wohl der größte Schritt und Risikofaktor. Ich bin ehrlich - keine Ahnung, was mich da geritten hat.
Wenngleich mich diese Anstellung auch meinen Zielen, irgendwann mal im Sportbusiness aktiv zu sein, ein ganzes Stück näher bringt, so bereitet mir die Dauer von knapp 4 Jahren, in denen ich mich erneut von vernünftigem Gehalt verabschieden muss, enorme Kopfschmerzen. Sicher, mich hätte es nicht besser treffen können, als mit meinem ehemaligen Jugendverein, darüber bin ich auch sehr glücklich. Allerdings dreht sich mir doch regelmäßig der Magen um, wenn ich darüber nachdenke, dass ich am Ende dieses dualen Studiums 29(!!!) bin und in der Zwischenzeit keinen Cent sparen, geschweige denn großartig oft das Land verlassen kann. 
Bleibt zu hoffen, dass mein Nebenjob künftig gutes Trinkgeld einspielt und aus der Ostsee vielleicht doch zumindest eine griechische Insel werden kann.

Und was die Verlobung angeht - entgegen aller, die in den vergangenen Wochen in Panik und Unverständnis, vor allem die beteiligten Person betreffend, verfallen sind: Dieses Thema ist momentan so ziemlich das Einzige, wobei ich mir wirklich sicher bin. Und viel mehr muss ich dazu denke ich gar nicht sagen.
Es freut mich ungemein, dass es tatsächlich ganze 3 Menschen in meiner Familie gibt, die mir einfach gratuliert haben und sich für uns freuen, statt mit Aussagen zu kommen wie: "Muss man heutzutage überhaupt noch heiraten?", "Willst du das wirklich?" oder "Ihr könnt es auch einfach bleiben lassen.". Schön, dass es noch Menschen gibt, die nicht permanent an mir und meinen Entscheidungen zweifeln oder ihr persönliches Desinteresse oder Missfallen in den Vordergrund rücken müssen. 

Alles Weitere bleibt abzuwarten.