Kontrollverlust

Für manche Dinge wird es nie den richtigen Zeitpunkt geben. Und hierfür sowieso nicht. Es wird wohl kaum jemandem entgangen sein, dass ich in den vergangenen Wochen ziemlich neben mir stand. Und auch wenn man meinen möchte, es geht eigentlich niemanden etwas an, ist es mir wichtig darüber zu sprechen. Nicht nur für mich selbst, weil ich die Dinge dadurch einfach viel besser verarbeite, sondern auch für die Allgemeinheit, weil ich weiß, dass es noch so viele mehr betrifft, als man im ersten Moment glaubt.

Angst.
Selbstzweifel.
Negativität.
Permanente gegensätzliche Gedanken und Gefühle, die einfach keinen Einklang finden.
 

Depression.

In den letzten Wochen und Monaten sind Dinge passiert über die ich keine Macht hatte, keinen Einfluss. Sie passierten einfach und damit musste ich klar kommen. Ich dachte wenn sich das ein oder Andere über die Zeit wieder ins Positive ändert, wird das schon von alleine besser. Nun ja, es hat sich nichts ins Positive geändert. Ich stehe immer noch genau so da, wie vor 6 Wochen. Nur mit gefühlt noch mehr Hindernissen. Für jeden Schritt nach vorn mache ich 2 zurück. Und alles, was mir Halt gab, ist nach und nach weggebrochen. Ich möchte nicht ins Detail gehen, dafür ist es noch zu frisch. Zu nah.

Die letzten Wochen waren in keiner Weise einfach. Es waren Zeiten, in denen mein rationales Denken irgendwann einfach ausgeknipst wurde. Mit jedem Tag hatte ich weniger und weniger Kontrolle über meine Gedanken und Emotionen. Jeder noch so kleine Funken konnte mich bis auf die Knochen reizen. Kleinigkeiten, die mich im Normalfall völlig kalt gelassen hätten, brachten mich zu Gefühlsausbrüchen, wie ich sie selbst von mir bisher gar nicht kannte. Und mit jedem Tag klammere ich mich mehr und mehr an alles, was mir noch bleibt. Es macht einem selbst Angst, wie schnell es einen durch diese Abwärtsspirale nach unten zieht. Und wie machtlos man dagegen sein kann. Die Gedanken kreisen Tag wie Nacht durch deinen Kopf. Emotional gegen Rational. Nur hat Rational leider nie den Hauch einer Chance, auch wenn man sich dessen durchaus bewusst ist. Man durchlebt etliche Gefühlslagen, alle auf ein Mal, hintereinander, durcheinander. Als Außenstehender kann man sich das kaum vorstellen. Und das soll auch gar niemand. Keiner sollte mit Selbstzweifel, Leere, Trauer, Hilflosigkeit, Aggressivität und Einsamkeit konfrontiert werden. Und das Tag für Tag. Positives hat irgendwann keinen Wert mehr, keine Chance. Und keinen Sinn. Selbst wenn man es einmal wagt positiv zu denken, kommt direkt wenn es dir einigermaßen besser geht der nächste Schlag. Und am Ende kannst du den Leuten nicht mal mehr einen Vorwurf daraus machen, weil du weißt, dass du selbst an der ein oder anderen Stelle überreagiert hast. Nur konntest du nie wirklich etwas dafür.

Viel schlimmer als die, die es nicht wissen, sind jedoch die, die es nicht verstehen. Keine psychische Erkrankung wird durch Sprüche wie "Das wird schon." oder "Reiß dich doch mal zusammen!"auf magische Art und Weise besser. Sie sind so viel komplexer als ein einfacher negativer Gedanke. Sie nehmen fast dein komplettes Denken ein. Und jeder, der in so einer Situation zu hören bekommt "Das redest du dir doch nur ein." oder "Ja wenn du dir immer wieder selbst sagst, dass es dir schlecht geht, dann ist es logisch, dass es dir schlecht geht.", der weiß wie frustrierend es ist, gegen Menschen anreden zu müssen, die meinen, psychische Krankheiten könne man wegreden, wenn man sich das nur lange genug selbst einredet. Sie denken immer noch man hätte eine Wahl. Diese Wahl hat man nur begrenzt. Wenn überhaupt. 

Es ist auch für mich kein kleiner Schritt dieses Thema so öffentlich anzusprechen. Jedoch ist es in den letzten Tagen immer verstärkter zu Situationen gekommen, in denen ich mir gewünscht hätte, es nicht mehr verstecken zu müssen. In denen mir Unverständnis entgegengebracht wurde, schlicht und einfach weil keiner wusste, was mit mir ist. Und offen darüber reden kann ich noch nicht. Ich möchte damit auch weder Mitleid noch Aufmerksamkeit erregen. Es ist mir einfach wichtig, dass ich nicht mehr länger so völlig verständnislos angesehen werde, weil keiner weiß, was Phase ist. Denn wann ich wieder wirklich 100% die Alte bin, das weiß ich nicht...

Ich habe kurz hintereinander ziemlich viel verloren oder aufgeben müssen, gerade zuletzt den einzigen Ort, an dem ich mich in den letzten Wochen noch sicher gefühlt habe. Es ging eigentlich schon wieder aufwärts, nachdem ich mir Anfang des Jahres eine kurze Auszeit von allem genommen hatte. Die jüngsten Ereignisse haben jedoch jeglichen Fortschritt zunichte gemacht und mich direkt wieder dahin zurück katapultiert, wo ich mich gerade eben erst mühsam herausgeholt hatte.

Manche Dinge brauchen eben doch mehr Zeit...