Kommen und Gehen

Eigentlich wollte ich schon letzte Woche Mittwoch, anlaesslich meines 100-taegigen Jubilaeums, etwas neues schreiben.. Aber da die Welt hier in den letzten Tagen voellig auf dem Kopf stand, musste das etwas warten. Es ist verdammt viel passiert seit ich das letzte Mal geschrieben habe. Gutes und Schlechtes. Aber fangen wir mal von vorne an...

Halloween. Schon 6 Wochen vorher ging es los - Halloween in Supermaerkten, Deko im Haus. Kuerbisse ueber Kuerbisse. Ich hasse Kuerbisse... Auf jeden Fall war die Welt recht orange in den letzten Wochen. Es dauert seine Zeit, aber man gewoehnt sich daran. Daran und auch an uebertrieben dekorierte Haeuser und Gaerten. Ich weiss auch nicht, dieses Gen scheint bei mir verloren gegangen zu sein... Mag daran liegen, dass ich in einer Familie aufgewachsen bin, die zu solchen Anlaessen fuer gewoehnlich die Klingel ausschaltet und so tut als waeren sie nicht zu Hause.. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur ein unsozialer Mensch.. Man weiss es nicht :D Mein Kind hat gluecklicherweise beschlossen mit ihren Freundinnen "Trick or Treat"-en zu gehen, sodass ich mich weder verkleiden, noch in der Kaelte rumlaufen musste, sondern gechillt mit Mom und Dad zu Hause kochen, backen, essen und Suessigkeiten verteilen konnte. Das einzig halloweenige an mir waren meine Fingernaegel. Aber ich habe mich nicht voellig gegen die Tradition gestellt und brav beim Pumpkin Carving geholfen. Gesichter in Kuerbisse schneiden.. Und ich dachte immer, die Deutschen sind manchmal komisch drauf.. Erstaunlicherweise hat das sogar relativ viel Spass gemacht, weil es mir endlich mal wieder erlaubt hat kreativ zu werden. Wir hatten dieses Jahr also einen Maori-inspired Pumpkin vor dem Haus stehen.. Es ist schon verrueckt zu sehen, wie ernst man dieses Fest hier nimmt. Und doch geht meiner Meinung nach der eigentliche Sinn Halloweens verloren. Wenn man sich schon vrkleidet, dann soll es doch auch ansatzweise gruselig sein, oder? Ich meine.. es ist ja Halloween und nicht Fasching. Dieses Jahr dominierten allerdings Elsa und Anna aus Disney's Frozen die Strassen. Noch dazu kommen diese dreisten Kinder an deine Tuer, kriegen keinen Ton raus und erwarten trotzdem, dass du sie mit Schokolade ueberschuettest. Frech. Ich musste an diesem Abend an unser deutsches Martini denken. Letztendlich ist es ja auch nichts anderes, als von Tuer zu Tuer laufen und Schokolade sammeln. Nur mit dem Unterschied, dass man sich nicht verunstalten muss, eine Laterne rumtraegt und sich seine Suessigkeiten mit singen verdient. Mochte ich persoenlich zwar auch nie, ist mir aber sympatischer... in diesem Sinne... Ich geeehe mit meiner Laateeeerneee und meine Laterne mit miiir...

Meine Freundin Friederike hingegen durfte mit ihren 2 Maedels und ihrer Schwester, die fuer eine Woche hier zu Besuch war, durch die Nachbarschaft ziehen und Candy sammeln. Ein perfektes Ende einer Besuchswoche, koennte man meinen. Was allerdings zu diesem Zeitpunkt noch kaum jemand ahnen konnte, war dass es nicht nur die letzten Tage ihrer Schwester, sonder auch ihre letzten Tage in den USA sein wuerden. Sie ist in den letzten Wochen eine meiner besten Freundinnen geworden und ich habe beinahe 100% meiner Freizeit mit ihr verbracht. Und jetzt ist sie weg. Einfach so. Es lief schon die ganze Zeit nicht so super mit ihrer Gastmutter.. zwar waren es immer nur Kleinigkeiten, aber mir persoenlich war diese Frau nie sympatisch. Und vor knapp 2 Wochen ist es dann letztendlich ausgeartet. Rike hatte beschlossen, mit ihren Maedchen nach der Schule noch Eis essen zu gehen, bevor sie sie nach Hause bringt. Das Golden Spoon lag auch direkt auf dem Heimweg. Jede normale Gastmutter wuerde sich freuen, wenn das AuPair spontan was mit den Kids unternimmt... aber in diesem Fall war das wohl anders. Ihre Gastmutter ist voellig ausgerastet und hat sie am Ende sogar noch angeschrien. Sie wuerde ja nie wissen wo ihre Kinder sind und sie weiss ja auch nie wo Rike ist (was sie eigentlich auch nichts angeht, denn soweit ich weiss, sind wir ihre AuPairs und nicht ihre Kinder)... Naja, nachdem sie dann jedenfalls alles aufgezaehlt hat, was in ihren Augen schlecht war - nachdem sie eine Woche zuvor noch gesagt hat, dass sie voll zufrieden ist und Rike einen super Job mit den Kindern macht - kam dann von ihr nur noch der Kommentar, sie wuerde glauben, dass es mit ihr und der Familie einfach nicht mehr passt.. und in diesem Atemzug wurde ihr auch gleich mal noch das Auto gestrichen. Sie sass also das restliche Wochenende mit ihrer Schwester in Hopkinton fest. Ich hab mich dann ein paar mal als Fahrer angeboten, damit die beiden noch was unternehmen konnten und nicht den Launen dieser Frau ausgesetzt waren. Ich rege mich an dieser Stelle jetzt nicht noch mal darueber auf, denn das habe ich in den letzten Tagen schon zur Genuege getan :D Jedenfalls stand nach diesem Wutausbruch der Hostmom fuer Rike fest, dass sie die Familie verlassen wird. Auf das Angebot meiner Familie hin hat sie schliesslich die letzte Woche bei uns gewohnt. Ich konnte verstehen, dass sie nicht mehr laenger dort bleiben wollte und haette sie auch ehrlich gesagt nicht dort lassen wollen. Von daher bin ich sehr froh, dass meine Familie sich bereit erklaert hat, sie fuer ein paar Tage aufzunehmen... Ich muss sagen, dass es mich wirklich schockiert, wie schnell es manchmal gehen kann, dass man sich im Flugzeug nach Hause wiederfindet. Keiner hatte damit gerechnet.. Und jetzt ist die schon wieder fast eine Woche weg. Es ist wahrscheinlich besser so, wie es jetzt ist... aber Fakt ist, dass mir etwas fehlen wird. Ich habe sie so lieb gewonnen und wir hatten jede Woche aufs Neue mega viel Spass zusammen. Auch wenn es nur das woechentliche Freitag Abend Frozen Yoghurt Date war... aber ich hatte jemanden, der da war, wann immer ich jemanden brauchte. Sie wird mir fehlen...

Mir bleibt nun nichts anderes uebrig als mir neue Freunde zu suchen, mich wieder in Uni-Kurse zu stuertzen oder aber anderweitig Beschaeftigung zu finden. Wir bekommen Anfang Dezember ein neues AuPair nach Ashland, sie kommt aus Mexico und scheint ganz nett zu sein. Vielleicht werde ich mit ihr die Vorweihnachtszeit und Neujahr verbringen, sie ist ja da noch relativ neu. An sonsten schreibe ich mich wahrscheinlich bald am Middlesex College ein um meine Credits abzuarbeiten, damit ich im Sommer nur noch die Montreal-Travel-Class machen muss. An sonsten hat sich noch nicht viel ergeben, was die Uni angeht. Es gibt zwar noch das ein oder andere, was ich mir mal anschauen wollte, aber das hat ja noch Zeit. Ich hab momentan eh andere Gedanken... Normalerweise muesste ich schon seit Tagen darueber nachdenken, was ich eigentlich zu Weihnachten verschenken moechte, es sind ja nur noch 6 Wochen. Da hier aber Ende November erst mal noch Thanksgiving ansteht, kommt mir das gar nicht so nah vor, wie es eigentlich ist. Auch wenn meine Alarmglocken schon letzte Woche gelaeutet haben, als es Sonntag ploetzlich angefangen hat zu schneien. Ja. Schnee. Das flockige weisse Zeug, dass immer dann vom Himmel faellt, wenn es sowieso schon viel zu kalt ist, um vor die Tuer zu gehen.

Und zum Schluss noch ein paar Danksagungen:

1 - An meine Eltern und kleiner Bruder fuer die Postkarte aus Italien und das Paket, dass mir nicht nur den Magen, sondern auch die Fuesse waermt und noch dazu super suess schmeckt.

2 - An Oma und Opa fuer die suesse Ueberraschung, mit der ich ueberhaupt nicht gerechnet hatte - und die Tatsache, dass sie meinen Lieblingstee in mein Regal gebracht haben.

3 - An Matthias - weil er einfach der Beste ist! ...und ich nun wieder Bergdoktor schauen kann

...ich habe fertig. Sofern nicht wieder etwas unerwartetes dazwischen kommt, hoert ihr an den Adventswochenenden regelmaessig von mir... kleine Weihnachtsueberraschung ;D