Deutsch vs. Kiwi

19.10.2012 12:01 - Weil Deutsche echt anstrengend sind... Wir haben es mal wieder geschafft... aus irgendeinem Grund sind wir auf einmal in ganz Napier als "The Blondes from Germany" bekannt :D... im Hostel haben sich gerade alle irgendwie verzofft. Soll mir aber egal sein.. mir gehen nur die Deutschen mehr und mehr auf die Nerven. Schon komisch wie schnell man anfängt seine eigenen Leute nervig zu finden, sobald man nicht mehr in Deutschland ist. Ist das normal? Verrückt wie schnell man sich an etwas Anderes gewöhnt und so gewisse deutsche Eigenarten einfach nicht mehr ab kann. Mittlerweile sind mir sie Kiwi Guys echt lieber als die Leute aus dem Hostel. Hier wird alles dokumentiert, was du tust, damit man es dir später vorhalten kann, wenn es nicht in ihr Bild passt. Typisch Deutsch! Neuseeländer sind da komplett anders, die interessiert das gar nicht. Denen sind wir zwar (offensichtlich) aufgefallen, aber was wir machen, ist denen egal. Ist ja unser Bier. Echt cool... Wir haben übrigens bei der Arbeit letztens 2 Jungs kennen gelernt, die sind echt super cool. Mit denen können wir uns endlich mal auf Englisch unterhalten und über Dinge reden, die andere Backpacker nicht kennen und wissen.. einfach mal wirklich im Land ankommen. Die beiden haben uns schon zum Sonnenuntergang mit zum Te Mata Peak rauf genommen... es macht so viel mehr Spaß die Zeit mit Kiwis zu verbringen! Zumal die beiden wenigstens freundlich zu uns sind, nicht wie die meisten aus dem Hosten, die uns beide schon lange als die Barbie-Girls abgestempelt haben.

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Ja, da waren wir nun also. Zwei blonde Mädels, die knapp bekleidet in einer Sports Bar kellnerten und sich irgendwie zwei nette Typen angelacht hatten, mit denen sie nun die Gegend erkundeten. Mike und Al wohnten nicht weit von Napier - also Mike zumindest. Wo genau Al eigentlich wohnte, haben wir nie erfahren. Jedenfalls war er immer bei Mike im Haus anzutreffen und somit erübrigte sich die Frage.

Da wir von den Leuten im Hostel zunehmend ausgegrenzt wurden, unternahmen Chris und ich mehr und mehr mit den beiden Jungs. Sie waren quasi unsere ersten neuseeländischen Freunde. Gemeinsam fuhren wir die Gegend ab und erlebten die kuriosesten Dinge. Es ging auf Partys, an den Strand, zu heißen Quellen und abends in der Regel von einem Pub in den nächsten, bis irgendwann einer umfiel. Nein, das ist kein Spaß. Auch wenn diese plötzliche Bewusstlosigkeit von Mike wohl nicht nur an dem Alkohol lag, sondern vielmehr an der Kombi mit all den anderen Drogen, die die beiden Jungs so nahmen, waren wir doch noch jung und naiv genug zu glauben, wir hätten sie schlicht unter den Tisch getrunken.

Nachdem sich die Situation im Hostel immer mehr zuspitzte, beschlossen Chris und ich letzten Endes nach Napier umzuziehen. Allein schon für den Job wäre es auch deutlich sinnvoller gewesen, als jedes Mal von Hastings aus zu pendeln. Zumal wir uns auch mit den deutschen Jungs mehr und mehr verkrachten, was nicht zuletzt daran lag, dass Rene und ich uns eigentlich schon von Anfang an nicht ausstehen konnten. So wollten wir also noch ein weiteres Wochenende arbeiten und dann das Hostel wechseln. Dazu kam es jedoch nie. Besagte Neuseeländer Mike und Al waren auch an diesem Wochenende wieder in der Bluewater Bar anzutreffen. Als wir von unseren Plänen erzählten, hatte Mike jedoch eine bessere Idee.

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26.10.2012 10:57 - Moving in with strangers

Aloha Welt.. wir haben es mal wieder geschafft. Da lernen wir bei der Arbeit zwei freundliche Neuseeländer kennen und zack, eine Woche später ziehen wir bei ihnen ein ..und als ob das noch nicht kurios genug wäre, haben sie uns ihr Auto überlassen, einen Hausschlüssel und wir haben vollen Zugriff auf den Kühlschrank! Stellt sich jetzt die Frage, wer hier wem zu schnell vertraut... uns jedenfalls geht es bis jetzt noch ganz gut. Wir cruisen ab und an mit dem Auto durch die Gegend, kochen für die gesamte Belegschaft und frühstücken jeden Morgen einfach irgendwo mitten auf der Wiese zwischen Schafen. Auch wenn mir dieses Haus irgendwie immer noch unheimlich vorkommt. Wie kann sich ein 24-jähriger so'ne Bude leisten? Aber hier landet auch einfach mal der Vater mit dem Heli im Garten und es scheint völlig normal zu sein, also stelle ich lieber einfach keine Fragen und nehme das so hin. In den letzten Tagen haben wir auch wieder mehr unternommen und ein wenig von der Gegend gesehen. Wir waren in Puketitri (was ich übrigens kaum aussprechen kann), in den Hot Pools und auf dem Whakamarahatanga Walkway (hierbei bin ich mir nicht mal sicher, wie man es schreibt^^). Die Hot Pools waren ein kleines Highlight, beinahe eine kleine Spa-Behandlung für Backpacker. Da kommt einfach mal warmes Wasser aus dem Berg raus! Der unterirdische Vulkan erwärmt die kleinen Wasseradern und wir können gemütlich darin baden. Etwas weiter unten fließt ein eisig kalter Fluss, den man schon fast als Tauchbecken benutzen könnte. Krasser Kontrast auf kleinster Fläche.

Ansonsten ist alles gut und wir machen uns noch ein paar gemütliche Tage, schauen und Waimarama und Co an und packen dann auch schon wieder, denn am Sonntag geht es auf die erste WOOFING-Farm nach Feilding (wuhuuuuu!!)

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Nun ja, was soll man dazu noch sagen. Keine 10 Minuten, nachdem wir von unseren Umzugsplänen berichtet hatten, befand sich ein Hausschlüssel und ein Auto in unserem Besitz. Laut Al's Aussage wäre es doch völliger Quatsch, wenn wir so viel Geld für eine Unterkunft zahlen. Sie hätten doch mehr als genug Platz, da könnten wir problemlos eine Weile mit wohnen. Da Mike wohl erst mittags von der Arbeit kommt, sollten wir einfach den Schlüssel mitnehmen und es uns schon mal gemütlich machen. Das Auto würde er die nächsten Tage nicht brauchen und somit konnten wir es ja nehmen, um unser Gepäck von Hastings nach Napier zu schaffen und tagsüber Ausflüge zu machen, wenn die Jungs nicht da waren. Wait, what?!? Ja, das ist wirklich passiert. Uns haben gerade zwei Menschen, die wir kaum 2 Wochen kennen, ein Auto und einen Haustürschlüssel in die Hand gedrückt. Als wäre das völlig normal. Spätestens jetzt war klar, wie anders die Mentalität in diesem Land war. Eine solche Aktion wäre in Deutschland undenkbar. Hier jedoch schienen die beiden sich keinerlei Gedanken zu machen, dass zwei fremde Backpacker mit Geldsorgen womöglich mit dem Auto abhauen und vorher noch schnell das Haus leer räumen könnten. Nein, das war scheinbar komplett abwegig. Nun, uns sollte das egal sein. Wir für unseren Teil waren erst völlig überfordert und dann überglücklich, dass wir für die nächste Zeit nicht nur massiv Miete sparen konnten, sondern auch endlich die ganzen anderen Deutschen los waren. Noch an diesem Abend packten wir unsere Rücksäcke ein weiteres Mal. Und nur wenige Stunden später verließen Chris und ich das Hostel und kehrten nie wieder nach Hastings zurück.

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29.10.2012 18:43 - Zwillinge auf Abwegen

3 Wochen Hawke's Bay sind vergangen, in denen wir unglaublich viel gesehen, vor allem aber auch gelernt haben. So zum Beispiel: Ziehe niemals einfach so bei fremden Menschen ein, ohne dich vorher zu vergewissern, ob sie nicht vielleicht Drogenjunkees sind :DDie letzten Tage haben wir noch mal mit Ausflügen aller Art verbracht und uns die letzten Ecken, die wir noch nicht gesehen hatten, angeschaut. So waren wir zum Beispiel am Waimarama Beach und sind trotz des unbeständigen Wetters zumindest kurz mit dem kleinen Zeh im Pazifik gewesen. Neben Muscheln und anderen unidentifizierbaren Meereslebewesen kam uns unter anderem eine Robbe entgegen - einfach so.Hinterher ging es dann noch zu Wasserfällen, deren Namen ich immer wieder vergesse, obwohl ich ständig nachschaue. Auf jeden Fall sind sie echt cool ..dort hat mal wieder einmal völlig unberührte Natur gesehen. Es war beinahe wie im Urwald. Dort ins Wasser zu springen muss sich klasse anfühlen - haben wir uns allerdings aufgrund der Temperaturen verkniffen.Unser letzter Ausflug führte uns nah ans Cape Kidnappers... aber auch eben nur nah ran und nicht komplett hin, da irgendwann die Flut der Meinung war uns den Weg abzuschneiden und wir schon gut zu tun hatten, rechtzeitig zurück zum Auto zu kommen um nicht am Strand übernachten zu müssen :D. Es ist ein tolles Gefühl einfach so am Strand lang zu spazieren und sich um nichts Gedanken machen zu müssen, einfach die Landschaft zu genießen und irgendwo in der Sonne einfach umfallen zu können und liegen zu bleiben, solange man möchte.

Schon verrückt, dass der erste Monat bereits vorbei ist. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt mit den Jungs hier runter zu fahren! Auch wenn es mir noch ein wenig gruselig vorkommt, dass hier tatsächlich JEDER Drogen nimmt und es keinen juckt. Aber wir hatten ja zum Glück ein Auto und konnten uns verkrümeln, wenn es uns zu bunt wurde...

Und um noch einmal auf das Thema zurück zu kommen: NEIN, ich vermisse Deutschland nicht! Kein bisschen um genau zu sein. Ich wäre zwar gern mal wieder bei einem Freitag-Abend-Essen mit meiner Familie am Tisch und würde mit Mutti so lange diskutieren, bis Papa aufgibt uns zu beruhigen, oder mit meinem kleinen Bruder über sinnlose Dinge metaphern, aber nichts davon würde ich gegen dieses Erlebnis eintauschen! Das Verrückte ist, dass man sich schon nach den ersten Wochen hier Gedanken macht, wie es wird, wenn man wieder zu Hause ist, was man erzählen wird, wie es dann weiter geht, was definitiv fehlen wird... und ob man Deutschland dann überhaupt noch als "Zuhause" bezeichnen kann...Und dann stellt man sich plötzlich immer wieder die Frage, wo man eigentlich hin gehört... was man will... und was es dazu braucht. Auf welche Weise man glücklich sein möchte, mit dem was man hat... und ob es jemals wieder möglich ist, sein Leben an nur einem Ort zu verbringen, ohne die Möglichkeit zu haben, einfach zu gehen, wann immer man will. Ohne an etwas gebunden zu sein.

Auf all diese Fragen werde ich wohl in den nächsten Monaten hier eine Antwort suchen.

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So verlockend es auch gewesen ist, kein Geld für die Unterkunft zahlen zu müssen, so waren wir uns doch nach nur 3 Tagen in diesem Haus einig, dass wir nicht lange bleiben würden. Wir hatten die Tage vernünftig genutzt und waren fast jeden Tag stundenlang mit dem Auto in der Hawke's Bay unterwegs. Somit hatten wir schon bald alles sehenswerte abgeklappert und suchten nun nach neuen Abenteuern. Mit den Jungs wurde es immer gruseliger, sodass wir irgendwann sogar vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer auf eine enge, unbequeme Couch zogen, um wenigstens einigermaßen in Ruhe zu schlafen. Es war Zeit. Wir mussten hier weg.

Nach einer Woche verließen wir das Haus und damit auch die Hawke's Bay. Glücklicherweise hatten wir eine Zusage von einer WWOOFing Farm bekommen und konnten es nun kaum erwarten, in Feilding bei John Brebner einzuziehen. Mit dem Bus ging es also südwärts, Napier im Rücken. Ein Ort, an dem wir viel erlebt haben und der uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben würde.