Kia Ora New Zealand!

Eben noch in Frankfurt die Familie verabschiedet, standen wir nun knappe 19.000km weit weg am Flughafen von Auckland. Hallo Neuseeland, wir sind's! Wahnsinn. So richtig können wir es noch immer nicht glauben, was hier gerade passiert.

Dank unserer Auslandsagentur wurden wir direkt am Flughafen eingesammelt und mit all den Anderen, die ebenfalls über StepIn gebucht hatten, in einem Kleinbus nach Auckland Downtown gebracht. Für die ersten 3 Nächte hatten wir hier, mitten auf der Queen Street, ein kleines Hostel gebucht, in dem wir nun gemeinsam Pläne schmiedeten. Auf dem Flug hatten wir Madeleine und Johanna kennengelernt, beide waren ebenfalls mit unserer Agentur unterwegs. Kaum im Hostel angekommen, wurde das Gepäck in die Ecke geworfen und die Stadt erkundet. Ich meine, HEY, wir sind in Neuseeland! Und auch wenn die meisten von uns auf dem Flug nur unzureichend Schlaf bekommen hatten, wollten wir weder den angebrochenen Nachmittag einfach so verstreichen lassen, noch dem Jetlag eine Chance geben. So zogen wir also los in Richtung Hafen, ein Mal die Queen Street auf und ab, wobei bei diesem kurzen Spaziergang wohl weniger das Sightseeing im Vordergrund stand, sondern vielmehr die Nahrungsbeschaffung und vor allem die Suche nach einem Handyladen, in dem wir uns günstige Sim-Karten beschaffen konnten, damit wir die kommenden Monate irgendwie erreichbar sein könnten. Zurück im Hostel fiel dann aber auch Einer nach dem Anderen direkt ins Bett. Schließlich stand am nächsten Tag schon wieder einiges auf dem Programm...

***

27.09.2012 14:26 - Hello Neuseeland

Wir haben's geschafft.. Nach 29h Flug über Dubai und Melbourne sind wir gestern (also am Mittwoch) gegen Mittag endlich in Auckland angekommen. Emirates ist nebenbei nur zu empfehlen, die Flieger und das Essen sind echt spitze! Die erste Nacht im Hostel war soooo entspannend, ich hab lange nicht mehr so gut geschlafen. ..wir sind alle zusammen in einem 6er Zimmer. Recht praktisch, das Ganze. Auch wenn das Frühstück gewöhnungsbedürftig ist.. wabbeliger Toast mit Himbeermarmelade oder Honig, weiche Cornflakes und Cranberrysaft. Ein Glück hab ich Tee mitgenommen. Dafür dann auch noch 8 Dollar zu verlangen ist echt heftig.. aber ab Samstag müssen wir ja eh raus.

Aber mal abgesehen von dem Stress, der sich hier gerade ausbreitet, ist Auckland wirklich suuuuper schön! Auch wenn noch fast Winter ist, ist alles wahnsinnig grün, recht mildes Wetter, nette Leute, aufgeschlossen, hilfsbereit... alles super. Wir sitzen schon ständig zusammen und beraten uns gegenseitig, wo denn die Reise als nächstes hinführt. Madeleine, Johanna und ich werden wahrscheinlich die ersten Städte gemeinsam bereisen und versuchen an der Ostküste runter und an der Westküste wieder nach oben zu kommen.. aber das steht alles noch nicht fest. Vielleicht kommt es auch vollkommen anders und ich gehe alleine in eine andere Richtung oder mit Chris mit... die Planung schleift ein bisschen durch den Stress, der uns hier gemacht wird. Ich habe zum Beispiel jetzt schon das Problem, dass ich ohne Führerschein nicht so einfach an eine Steuernummer rankomme, warum auch immer... Jetzt muss ich jedenfalls erst mal zur Bank, ein Konto eröffnen.

Meine Handynummer für Neuseeland ist übrigens seit gestern Abend auch in Betrieb, von da aus kann ich für gerade mal 9ct SMS nach Deutschland schicken :D!!

***

Ja, wie man sich über die kleinen Dinge im Leben freuen kann... Tatsächlich bin ich heute noch beeindruckt von diesem Prepaid Tarif, der es mir ermöglichte, kostenlos nach Deutschland zu telefonieren und für gerade einmal 9ct SMS sowohl innerhalb Neuseelands als auch nach Deutschland zu verschicken.
Weniger begeistert war ich von der Bürokratie, die uns direkt am ersten Tag erschlagen hatte. Als Backpacker ist es mit der bloßen Einreise leider nicht getan. Wir brauchten nun eine Steuernummer, ein Konto und noch zahlreiches mehr, um unseren Aufenthalt legal über die Bühne zu bringen. Schließlich wollten wir dort ja arbeiten und wie es das Gesetz so will, zahlt man eben auch als Backpacker Steuern, die man sich jedoch im Nachhinein fast zu 100% erstatten lassen kann. Wie ich leider feststellen musste, ist das mit der Steuernummer jedoch etwas komplizierter, wenn man keinen Führerschein besitzt. Für gewöhnlich dürfen die Banken hier bei der Eröffnung eines Kontos direkt eine Steuernummer mit beantragen, jedoch nur mit gültigem Führerschein. Schade, hab ich nicht. Mein Weg führte mich also zusätzlich noch ein Mal ans andere Ende der Stadt zum Steuerbüro, wo ich dann meine Anträge ausfüllen konnte und auch endlich meine Nummer bekam.

Endlich ausgeschlafen verstrich unser erster Tag in Neuseeland somit deutlich schneller als uns lieb war. Morgens besuchten wir im Agenturbüro eine Infoveranstaltung, nachmittags wurden dann die bereits erwähnte Bank und das Steuerbüro abgeklappert und schon war der Tag wieder vorbei. Und auch wenn wir alle fleißig am Pläne schmieden waren und jeder die verrücktesten Ideen hatte, so wusste doch niemand von uns so wirklich, wie es nun für uns weitergehen würde. Es blieb uns schließlich nur noch ein Tag im Hostel, danach waren wir auf uns gestellt.

Das Wochendene verlief im Gegensatz zum Ankunftsstress deutlich entspannter und stressfreier. Den Samstag verbrachten wir größtenteils damit, in unser neues Hostel umzuziehen und weiter die Gegend rund um Auckland Downtown zu erkunden. Für Sonntag jedoch war schon der erste Ausflug geplant. In der Bucht vor Auckland liegen viele kleine Vulkaninseln, welche man vom Hafen aus mit einer Fähre innerhalb weniger Minuten erreichen konnte. Unser Ziel hieß Rangitoto Island.

Schon die halbstündige Fährfahrt war ein absolutes Highlight! Dabei zuzusehen, wie die Stadt hinter mir immer kleiner wurde und wir uns langsam aber sicher auf diesen riesengroßen grünen Hügel dort im Wasser zubewegten, löste in mir ein unbeschreibliches Gefühl aus. Ich habe es wirklich getan! Ich bin in Neuseeland! 
Rangitoto Island ist mit einem Durchmesser von knapp 5km recht klein und bis heute komplett unbewohnt. Mehrere Wege führen hinauf zum Kraterrand des noch aktiven Vulkans. Nur einer von vielen rund um Auckland. Der Weg nach oben ist ein einziges Naturschauspiel. Ich habe noch nie zuvor so viele verschiedene Pflanzen, Gräser und Farne an einem Fleck gesehen. Oben angekommen genossen wir erst einmal die Aussicht, bevor wir uns allmählich auf den Rückweg machten. Ein weiteres Phänomen war das Wetter. Morgens mit Jacke in Auckland aufgebrochen, kamen wir nun völlig verschwitzt und halb ausgezogen vom Berg und brauchten vor der Überfahrt erst noch eine kleine Abkühlung im Meer. Es war gerade Frühling und noch dementsprechend frisch am Morgen, jedoch unterschätzten wir alle die Kraft der Sonne gewaltig. Innerhalb kürzester Zeit war es brutal warm. Auch daran würde ich mich wohl erst noch gewöhnen müssen...

Die City Tour durch Auckland stand für Montag auf dem Plan. So fuhren wir also ein Mal quer durch die Stadt, vorbei an den grünsten Wiesen, die ich je gesehen hatte, hindurch durch eine pulsierende Metropole, welche gar keinen größeren Kontrast hätte darstellen können. Wir sahen den Sky Tower, Mt. Eden und kletterten mit einem Guide unter der Auckland Harbour Bridge entlang, wo ich dank Wind direkt mal meinen Helm verlor. So macht Reisen Spaß!

Doch neben all den schönen Momenten rückte doch der Tag immer näher, an dem die Ersten unsere Gruppe verlassen wollten, um endlich loszuziehen und das Land zu entdecken. Und noch immer wusste ich nicht wohin mit mir. Mein Budget war knapp bemessen, ich würde also nicht ewig ziel- und planlos umherreisen können. In spätestens 2-3 Wochen musste ich eine Arbeit gefunden haben. Erst jetzt fiel mir langsam auf, dass eben doch nicht alles "wie von selbst" geht und auch in diesem Land die Jobsuche immer neue Herausforderungen birgt. Denn frisch aus der Schule brachte ich natürlich praktisch null Qualifikation mit. Und auch wenn man uns immer das Gegenteil erzählt hatte, nahm hier nicht JEDE Bar einfach so eine Aushilfskraft für ein paar Wochen auf. 
So richtig wusste ich also nicht, wo ich ansetzen sollte. Bleibe ich erst mal in Auckland und arbeite? Reise ich weiter und schaue einfach, wo ich unterwegs etwas finde? Gehe ich vielleicht auch erst mal auf eine Farm zum wwoofen? WWOOFING ist übrigens ein Farm-Programm, worüber man ein paar Stunden pro Tag auf einer Farm aushilft und dafür Unterkunft und Verpflegung gestellt bekommt. So könnte ich mein Geldproblem zumindest noch ein wenig herauszögern. Mein Kopf rauchte. Alle Nasen lang kam mir ein neuer superschlauer Einfall, den ich genauso keine 10 Minuten später wieder verwarf. Irgendwie hatte ich mir das alles einfacher vorgestellt.

Mit den verschiedensten Gedanken im Hinterkopf beschloss ich noch einmal ins Büro unserer Agentur zu gehen und das schwarze Brett nach neuen Jobangeboten abzusuchen... oder zumindest ein paar Minuten am PC verbringen um meiner Familie von den neusten Ereignissen zu berichten. Doch dazu kam es nicht mehr. Wir alle hatten uns nach der Stadtrundfahrt eine kleine Pause gegönnt - nicht so Christine, die soeben freudestrahlend in unser Zimmer geplatzt kam und von ihren neuen Plänen berichtete. Vor ein paar Tagen hatte sie zwei deutsche Backpacker kennen gelernt, die nun in Richtung Bay of Plenty aufbrechen wollten und ihr angeboten hatten, sie mitzunehmen. Wo ich mir heute denke "Ja geil, das läuft ja wie am Schnürchen!" blieb uns damals allen nur der Mund offen stehen. "Ist sie noch ganz dicht?! Wie kann sie denn einfach so nach nicht mal einer Woche bei wild fremden Typen mitfahren? Das ist doch viel zu gefährlich!" Süß, wie naiv wir waren. Nachdem wir gemeinschaftlich versucht hatten auf sie einzureden und ihr diese Sache aus dem Kopf zu schlagen, was nur mäßig Erfolg hatte, beschloss ich schließlich, den Spieß umzudrehen. Mir war das zwar alles nicht ganz geheuer, aber ich konnte sie doch nicht einfach so alleine ihrem Schicksal überlassen. Logische Konsequenz - Charly fährt mit! Wir hatten nun also beide völlig den Verstand verloren.

So brachen wir also erstmal in Hektik aus, packten unsere gerade ausgeräumten Klamotten alle direkt wieder ein und saßen eine knappe Stunde später zusammen mit Sebi und Rene in einem Van gen Süden...

***

02.10.2012 10:46 - Irgendwo auf der Gorillafarm

Kia Ora! Ein bisschen Maori habe ich hier schon gelernt... mit dem Englisch hapert's noch ein bisschen, aber das wird auch sicher noch besser :D. Es sind zwar gerade mal ein paar Tage vergangen, aber es ist schon wieder viel passiert.

Am Sonntag war ich mit den Mädels auf Rangitoto Island, der jüngsten Vulkaninsel Neuseelands, und es war einfach magisch!... Auf der einen Seite die Großstadt Auckland, die Metropole mit unendlich vielen Menschen, und auf der anderen Seite die noch völlig unberührte Natur, saftig grüne Wiesen, Bäume aller Art und Wasser soweit das Auge reicht. Ein unglaublicher Kontrast! Und wir sind mitten drin. Es ist einfach atemberaubend. Über Vulkanlandschaften zu laufen, die Hügel hoch und runter... und am Ende diese wahnsinnige Aussicht - unglaublich! Mit Worten wirklich nicht zu beschreiben. Wir haben sogar durch die extreme Sonneneinstrahlung (wenn sie sich denn mal blicken lässt) den ersten leichten Sonnenbrand bekommen. Ich bin schon jetzt so unglaublich glücklich, dass ich hier sein darf...

Montag war dann die geplante Stadtrundfahrt durch Auckland. Das Meiste hatten wir uns zwar schon angeguckt, weil die wichtigsten Dinge hier ganz gut per Fuß zu erkunden sind, aber trotzdem war es noch mal richtig schön, die Skyline aus der anderen Richtung zu sehen.

Ja und nun sitzen wir gerade irgendwo zwischen Hamilton und dem großen nirgendwo... Chris hat zwei Jungs (Rene und Sebi) aufgegabelt, die so freundlich waren, uns aus Auckland mit dem Auto mit in Richtung Bay of Plenty zu nehmen. Die Nacht haben wir alle zusammen auf dem Parkplatz einer Gorillafarm im Auto verbracht.. war schön kuschelig zu viert :D.. und dann morgens kalt duschen zu dürfen ist auch mal eine schöne Erfahrung. Naja, in ein paar Minuten geht es dann auch schon weiter, irgendwo Richtung Süden.. glaube ich.

Auf ins nächste Abenteuer!

***

So schön diese Pläne auch waren... die Bay of Plenty haben wir leider nie erreicht. Wie sich herausstellte, hatten es die Jungs auf die Hawke's Bay abgesehen und nahmen nach unserer mehr oder weniger angenehmen Übernachtung direkt Kurs auf die Kleinstadt Hastings. Ich hatte natürlich keinen Plan, wo das alles sein sollte. Meine Landkarte hatte ich mir zwar mittlerweile schon das ein oder andere Mal angesehen, eine Ahnung von den Städten oder ihrer Lage hatte ich jedoch nach wie vor nicht. Für mich war das alles eine Reise ins Blaue. Hauptsache ankommen.

Wo war mir völlig egal...