Im Wandel der Zeiten

Die letzten Septembertage. Es wird einem erst wirklich bewusst, dass man angekommen ist, nicht nur koerperlich sondern auch geistig, wenn man so sehr in den Alltag uebergeht, dass einem kaum noch bewusst ist, wie schnell die Wochen vergehen. Die Zeit zieht an mir vorbei, ohne dass ich es wirklich realisiere. Alles, was mir auffaellt ist, wie oft "schon wieder" Montag ist... Es sind nun knapp 10 Wochen, die ich hier bin. Und mit der Zeit wird man tatsaechlich mehr und mehr routiniert in allem was man tut. Ueber manches denkt man einfach nicht mehr nach - man macht es einfach. Mit jedem Tag fuehlt man sich allem ein bisschen naeher. Man gehoert dazu, als Teil des grossen Ganzen. Es ist beinahe erschreckend, wie schnell man sich an eine fremde Umgebung gewoehnt und regelrecht ein neues Leben aufbaut.. Aber es fehlt mir auch an nichts. Ich lebe zusammen mit einer wundervollen Familie, die mich von Anfang an als "grosse Schwester" aufgenommen hat. Ich habe Freunde gefunden, mit denen ich meine Freizeit verbringen kann, an den Wochenenden auf Tour gehe und selbst fuer's Fitnessstudio habe ich Begleitung. Mein Job macht mir auch viel Spass, vor allem weil ich es nicht als Arbeit sehe, sondern viel mehr als Selbstverstaendlichkeit. An dieser Stelle: Sorry, dass ich zu Hause so wenig Eigeninitiative zeige - aber ich hab Papa ja schon versprochen mich um die Waesche zu kuemmern, sobald ich wieder da bin.

Und nun, nachdem wir einen grandiosen Sommer hatten, wird es auch hier langsam Herbst. Obwohl langsam eindeutig falsch ist. Es war praktisch ueber Nacht ganz ploetzlich Herbst. Grau, kuehl und regnerisch. Am Wochenende noch hatten wir 30Grad und liefen mit kurzen Hosen durch die Stadt. Und innerhalb weniger Tage waren die Strassen nicht mehr gruen - jetzt leuchtet alles rot, gelb und orange. Es sieht atemberaubend schoen aus! Ich habe lange keinen so schoenen Herbst mehr gesehen. Auch wenn der Dauerregen mich langsam nervt, weil ich nicht mehr joggen gehen kann und mir zunehmend die Ideen ausgehen, wie ich mich anders beschaeftigen koennte.

Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken seit ich die taegliche 5km-Runde laufe. Ich glaube jeder Mensch hat im Leben so einen Moment, in dem er ploetzlich ganz genau weiss, was er will und wie er sein moechte. Dieser Moment, in dem du fuer dich selbst entscheidest, wie dein Leben aussehen soll. Welchen Weg du gehst. Manche stellen das vielleicht unbewusst fest und es ist einfach da... mich aber hat es von einer Sekunde zur anderen voll erwischt. Als steht die Welt fuer einen Augenblick still. Du hast ploetzlich ein genaues Bild vor Augen, ein Ziel, und weisst genau was du willst. Auf welche Art und Weise du leben moechtest. Wie du von anderen gesehen werden moechtest. Es ist, als ob man nach all der Zeit, die man rumgeirrt ist, wie ein Fremder in seinem eigenen Leben, endlich seinen Weg gefunden hat. Als waere man ein Autor, der gerade seinen Hauptcharakter fertig gestellt hat und nun die Story um ihn herum baut. Man hat lange gesucht, vieles ausprobiert.. und schlussendlich gefunden. Ich glaube, das ist der Schritt zwischen "erwachsen werden" und "erwachsen sein"..