Nachtbus nach Byron

G'day friends und family, ich bin mittlerweile in Brisbane angekommen. Für alle, die sich jetzt denken "Hä, wie das?!" - ja, ich war gerade noch in Sydney.

Wie erwartet verging unsere zweite Woche dort etwas langsamer als die erste, da wir einen großen Teil der To Do List bereits in den ersten Tagen abgehakt hatten. Da ich nach wie vor kein sonderliches Interesse an sozialer Interaktion hatte, wurde es nun also ruhiger und wir verbrachten unsere Tage vorwiegend mit Ausschlafen, Essen, in der Sonne liegen, Sport und Karaoke mit Matt. Ja, wenn ich es recht bedenke, dann ist Matt wohl der einzige Mensch, mit dem ich mich abseits meiner kleinen Reisegruppe überhaupt unterhalten habe. Matt ist Brite, auf dem besten Weg ein Permanent Resident zu werden und eigentlich ein lebendiges Radio, es sei denn er ist verkatert. Zum Glück kommt das selten vor. Mit ihm waren wir unter anderem auch noch in Manly, wo man mit der Fähre vom Circular Quay ganz easy hin kommt. Er hat die kleine Shoppingtour wacker durchgehalten und nachdem er mir eine Sandschildkröte gebaut hatte (obwohl ich eine Burg wollte) anschließend auch die Wassermelone sicher zurück ins Hostel befördert.

Nach 2 gescheiterten Versuchen habe ich es dann auch geschafft, mich mit Peggy zu treffen. Wir kennen uns noch aus Halle vom Volleyball und sie lebt mittlerweile seit über einem Jahr hier. Für mich also die beste Anlaufstelle um ein paar Insiderinfos zu bekommen und meine deutschen Mitbringsel abzuliefern. Und OH MEIN GOTT, die Australier wissen wie man frühstückt! 

Am Dienstag war es dann nun aber an der Zeit Sydney zu verlassen. Mit erneut 15kg auf dem Rücken und 5 weiteren kg in Händen und kleinen Rucksäcken verteilt, spazierten wir also mehr oder weniger enthusiastisch zum Hauptbahnhof, von wo unser Bus abfahren sollte. Es ging mit dem Nachtbus an die Byron Bay. 14 Stunden Fahrt und über 850km lagen also vor uns. Das wird ein Spaß!
Abgesehen davon, dass es gefühlte -380000°C in diesem Bus waren und wir zu den unchristlichsten Zeiten Pause machen mussten, verging die Fahrt tatsächlich relativ schnell. Pünktlich um 8:45Uhr morgens erreichten wir also Byron Bay.

Seit ich Australien kenne, ist mir die Byron Bay ein Begriff. Der Ort der Surfer, einer der schönsten Strände Australiens, unglaublich mitreißende Brandung und Sonne im Überfluss. Es konnte für mich kaum einen schöneren Ort geben. Und so war es auch.
Byron ist kein großer Ort. Ein paar wenige Menschen leben hier, dafür findet man umso mehr Urlauber und Backpacker. Surfer kommen aus allen Richtungen hier her. Immer auf der Suche nach der perfekten Welle. Die Kulisse ist atemberaubend! Da wir nur 2 Nächte gebucht hatten, bevor wir nach Brissy weiterfahren würden, wollte ich natürlich keine Zeit verlieren und direkt den ersten Tag dazu nutzen, um am Cape Byron vorbei hinauf zum Lighthouse zu laufen. 

Ich weiß wirklich nicht, wie es manche Menschen schaffen, diese Scenic Walks entlang zu laufen und tatsächlich in der vorgegebenen Zeit oben anzukommen. Ernsthaft, ich halte hier gefühlt alle paar Meter an, weil die Umgebung einfach so unglaublich schön ist, dass ich das erst mal fotografieren und verarbeiten muss. Und ja, meine bergauf Ausdauer ist nun vielleicht auch nicht die beste. 


Tag eins endete schließlich, nachdem wir den Weg zurück nach unten gefunden und uns mehrfach die Füße an heißem Sand oder Stein verbrannt hatten, mit einer Stunde am Pool des Hostels, noch einem kurzen Vorabendspaziergang zum Meer und schließlich totmüde um 19:30Uhr im Bett. 

Zwischen Hippies, Gitarrenmusik und dem Geruch von Gras schlief ich also in unserem 6-Mann-Tippie friedlich bis zum Sonnenaufgang.

Tag zwei war ausschließlich unserer Bräune gewidmet. Nachdem ich von meinem Morning Walk zurück war und das Frühstück seinen Weg in meinen Magen gefunden hatte, begaben wir uns auf direktem Wege zum Strand. Und nachdem ich an diesem Tag wirklich alles gegeben habe, muss ich nun wohl feststellen - ich habe das Maximum an sommerlicher Bräune wohl nun erreicht. Da geht nichts mehr. Brauner wird's nicht. Ich bin also immer noch eine weiße Kartoffel, wenn auch mit leichten Röstaromen.

Ein großes Ben&Jerrys Eis und 2 Wutanfälle später war nun auch dieser Tag an einem Punkt angelangt, an dem es okay war ins Bett zu gehen. Die Wutanfälle stammen daher, dass man mir mein Essen und Krissi die Socken geklaut hatte.

Nun sind wir also nach einer weiteren, scheinbar endlosen Fahrt in Brisbane angekommen und werden hier 3 Nächte bleiben. 

So sehr ich auch versuche die Zeit hier zu genießen, so schwer fällt es mir doch. Zuhause ist gerade ziemlich viel Trubel, weswegen ich privat wohl den ein oder anderen Tag ganz froh darüber war, dass ich mich mit meiner unsozialen Ader nicht sonderlich viel mit anderen Leuten unterhalten musste. Fakt ist, dass Australien so wie ich es mir vorgestellt habe wohl nicht mehr sein wird. Wie ich meinen Traum dieses Land zu sehen und vielleicht auch länger als nur ein paar Monate hier zu bleiben trotzdem noch umsetzen kann, das wird sich zeigen. So einfach es auch klingen mag, nach abgeschlossener Ausbildung das Land zu verlassen, zu reisen und sich um nichts sorgen zu müssen außer um sich selbst, so schnell holt es einen dann doch wieder ein. Man ist eben nie wirklich zu 100% frei.

Wir brechen bald schon auf um nach Noosa weiter zu fahren. Von dort aus werde ich mich dann mit einem - hoffentlich etwas detaillierterem Bericht zu Brisbane melden! Neue Fotos gibt's natürlich auch bald wieder in der Galerie!