Ich komm' nie mehr, ich bin in Chicago.

Da kann man schon mal 'ne gesamte Nacht am Airport verbringen. Ist ja auch schoen hier.. Ich sitze seit ungefaehr 9 Stunden hier rum und warte darauf, dass die Menschen hier mal wieder anfangen zu arbeiten und einen Check In Schalter oeffnen, damit ich endlich meinen Koffer loswerde und irgendwo was zu essen her bekomme. In 1 1/2 Stunden geht mein Flug zurueck nach Boston... Kaum hier angekommen ist mein Urlaub auch schon wieder vorbei.. Aber auch wenn es nur ein paar Tage waren, sind doch ein paar sehr coole Erinnerungen entstanden.. Aber von vorn. Es begann ungefaehr so...

Samstag, 27.12. um 5:00Uhr morgens: Ich liebe Flughaefen. Wenn man so mit seinem Koffer durch die Gegend spaziert und nach dem Check In sucht, sieht man die verruecktesten Menschen. Da laufen manche mit kurzer Hose und Sonnenhut rum, andere packen sich in Pelz und Schal ein, einige schlafen in den ungewoehnlichsten Positionen und wieder andere sitzen einfach nur gelangweilt im Dunkin Donuts und schluerfen Kaffee. Meine Wenigkeit gurkt noch halb schlafend mit heisser Schokolade in der Hand durch die Menschenmenge und sucht nach WiFi und einem freien Stuhl. Ich hatte die letzte Nacht bei einer Freundin in Natick verbracht - geschlafen kann man nicht wirklich sagen, denn wir sind erst gegen Mitternacht ins Bett gekommen und durften 3:30Uhr schon wieder raus um Richtung Airport zu fahren - und war nun endlich meinen Koffer los. Fun Fact: In Boston gibt man seine Koffer draussen ab. Ja, genau. Man stellt sich bei -5 Grad 20min lang draussen an um seinen bloeden Koffer abzugeben, wird dann auch noch daemlich angegrinst und gefragt, ob man denn wuesste, wohin es heute gehen soll. Nein. Eigentlich fliege ich nur so zum Spass durch die Gegend und nehm einfach den naechstbesten Flieger, der abhebt. Nach Chicago will ich, ihr Deppen! Steht doch auf meinem Ticket! Heute scheinen es alle auf mich abgesehen zu haben. Erst nimmt der Dunkin Donuts meine Club Card nicht und ich muss mein letztes Bargeld ausgeben, um fruehstuecken zu koennen. Dann stellen alle die daemlichsten Fragen... und als Topping durfte ich bei der Sicherheitskontrolle zum ersten Mal in meinem Leben in den Nacktscanner. Wie koennte ein Urlaub besser anfangen? Entschaedigt wurde ich dafuer mit dem schoensten Sonnenaufgang, den Boston je gesehen hat.. Vom Flug an sich habe ich nicht sonderlich viel mitbekommen, die meiste Zeit hab ich versucht meine Augen zu zu machen und einzuschlafen. Erstes ging ganz gut, letzteres wurde allerdings durch zwei weinende Babys in der Reihe hinter mir erschwert - war ja auch klar, dass ich genau dort sitzen musste, wo die Muttis ihre Neugeborenen beruhigen wollen. Aber 2,5 Stunden spaeter war ich ja auch schon da. 9:17Uhr - Hallo Chicago O-Hare Airport, ich haette gern meinen Koffer. Aber natuerlich, ich warte gern 45min darauf. Ich hab's nicht eilig, mein Zug faehrt ja erst um 1... So zog sich mal wieder alles hin. Nach 20min herumirren hatte ich dann auch endlich meine Metro nach Chicago Downtown gefunden, die mich zum Amtrak Zug bringen sollte. Ich wollte ja schliesslich heute noch irgendwann in Milwaukee ankommen.Obwohl ich bloss durch Chicago gefahren bin, kam ich interessanterweise an Washington, Ashland, Harlem und California vorbei, bis ich Downtown erreichte - kleine Weltreise in 30 Minuten. Die Zeit bis zur Abfahrt verbrachte ich dann mit Mittagessen, Postkarten kaufen und Leute beobachten. Ich war gluecklicherweise nicht die einzige, die etwas viel zu frueh am Gate war (ja, die Trainstation hat auch Gates :D). Mir gegenueber stellte sich ein durchaus netter junger Mann mit Conor Corrigan vor und unterhielt mich blendend, sowohl am Gleis, als auch die gesamte Zugfahrt ueber. Der erste Amerikaner, den ich kennen lerne und mit dem ich laenger als 10min rede :D Yippie !! Nebenbei auch noch jemand, mit dem ich durchaus mehr zu tun haben moechte, zumal unsere Interessen sehr aehnlich sind.. Er spielt uebrigens Rugby ;D So vergingen auch die 1,5 Stunden Zugfahrt wie im Flug und obwohl ich eigentlich fast eingeschlafen waere, als ich in Chicago auf en Zug gewartet habe, habe ich die Augen keine Sekunde zu machen wollen, als wir durch Wisconsin fuhren. Zum einen, weil ich ja durchaus gute Gesellschaft hatte und zum anderen, weil es so unglaublich schoen war, nach draussen schauen zu koennen und nichts als Baeume und Wiese zu sehen. Ich war mitten im Nirgendwo, keine Menschenseele lebte hier. Und es war wunderschoen. Es wirkte befreiend...In Milwaukee angekommen, nahm mich meine Freundin Madlen in Empfang. Conor musste leider schon einen Halt frueher aussteigen. Zu schade, ich haette ihn gern Maddie vorgestellt. Sie musste sich schliesslich die naechsten Stunden mein Gelaber ueber ihn anhoeren :) Unser Weg nach Hause fuehrte uns noch am Supermarkt vorbei, in dem wir 100x hin und her gerannt sind, weil wir beide so selten einkaufen, dass wir nicht so richtig klar kamen :D Nebenbei haben wir auch glaube ich den gesamten Laden unterhalten... Daheim gab's dann erst mal ein Feierabendbier. Hallo Alkohol, ich habe dich vermisst. Das erste Bier nach 5 Monaten. Komisches Gefuehl sag ich euch... aber war gut :) Unseren ersten Abend verbrachten wir nur noch auf der Couch und schauten Camp Rock 1+2 bevor ich endlich totmuede ins Bett fallen konnte :D Urlaub ahoi !!Tag 2 (5-monatiges uebrigens!) begann endlich mal ohne Wecker und mit dem Gedanken "Hell yes, DAS ist Urlaub". Weiter ging es mit Nutellabrot und einer Gassi Runde mit Enzo (dessen Rasse ich vergessen hab, auf jeden Fall war er grau und flauschig). Aus irgendeinem Grund war es hinterher schon fast Mittag, sodass wir uns langsam mal in die Spur machen mussten um die Tagesplaene in die Tat umzusetzen. Zu erst ging es auf direktem Weg ins Tattoostudio - fragt nicht, war 'ne spontane Idee. Den Tag werde ich auf jeden Fall nie mehr vergessen... Naechster Halt war Downtown - Harley Davidson Museum. Ein Muss fuer jeden, der Zweiraeder liebt. Von uralten Ausstellungsstuecken bis hin zu den neusten Entwuerfen war alles dabei. Da kam die Rockerbraut in mir wieder zum Vorschein :D Nach einem Besuch im Shop, bei dem fuer mich ein Shirt und eine Muetze raussprangen, ging es zum Dinner. Auch wenn Milwaukee zu 85% aus Industriegebaeuden besteht, hat es doch irgendwie Stil. Die Atmosphaere ist familiaer, irgendwie einladend. Und es gibt Pubs an jeder Ecke :D Eigentlich wollten wir hinterher noch Eislaufen gehen, aber da die Skates so schlecht geschliffen waren, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte, mussten wir das vorzeitig abbrechen und sind letztendlich wieder Heim gefahren. Aber wir haben's immerhin noch geschafft, ein Selfie auf dem Eis zu machen :D YOLO! So ging also wieder ein Tag zu Ende. Ich lag in dieser Nacht noch sehr lange wach. Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt.. irgendwie fehlt mir momentan was. Irgendwie bin ich nicht mehr wirklich gluecklich hier..Tag 3 beinhaltete groesstenteils Shopping, da Madlen immernoch Weihnachtsgeschenke kaufen musste und wir fuer die Geburtstagsparty von Doerte, einer Freundin von Madlen, am Abend noch ein paar Dinge brauchten. So sammelten sich dann auch schon alle bei Maddie, als wir zurueck kamen und es wurde gefeiert. Mit 90er Musik, Chips und einem vernuenftig gemixten Sunrise wurde Doerte 21..Tag 4 gestaltete sich recht simpel, da einige von uns dringend ausnuechtern mussten und somit den ganzen Tag mehr oder weniger schlafend verbrachten. Mir gings gut, ich hab also den ganzen Tag Netflix gesuchtet und Pocahontas geschaut. Aber wir waren abends noch Milch kaufen!.

Und zack, so schnell kann's gehen, da ist das Jahr vorbei. Wir schreiben den 31. Dezember des Jahres 2014 - ein Jahr voller verrueckter Entscheidungen, interessanter Menschen, wunderschoener Orte und viel Erwachsen werden... Und wo kann man so ein Jahr besser verabschieden als in Milwaukee? ...Richtig. In Chicago! Gegen 10:30Uhr machten wir - Madlen, Doerte und ich - uns auf den Weg. Noch ein mal durfte ich die weiten Landschaften Wisconsins sehen, bevor wir in ein aehnlich weitlaeufiges Nichts names Illinois einfuhren. Irgendwie schoen hier oben. Hier muss ich noch mal hin.. irgendwann. Heute allerdings hiess unser Ziel Hinsdale, ein kleiner Ort ausserhalb von Chicago. Doerte's Gastfamilie hatte dort Verwandte, bei denen wir fuer die Nacht unterkommen konnten. So luden wir also fix unsere Sachen ab, brezelten uns vernuenftig fuer New Years auf und dann ging es auch schon los in die City. Ich wollte ja schliesslich noch ein bisschen was von der Stadt sehen, bevor es dunkel wird. Anlaufstellen waren hier unter anderem die beruehmte Bean und der Hancock Tower (Bilder im Album unter Pictures > Chicago, IL). Chicago bei Nacht ist wirklich umwerfend schoen! Man zahlt zwar ein halbes Vermoegen um auf diesen Tower hoch zu duerfen, aber die Aussicht war es definitiv wert. Wieder unten angekommen gab es direkt Dinner in der Cheesecake Factory - so ziemlich der teuerste Part dieses Abends fuer mich, denn es war meine letzte Chance, noch mal richtig zuzuschlagen und mich vollzufuttern. Mit dem neuen Jahr will ich ja meine Ernaehrung ein bisschen umstellen und auch wieder regelmaessig (sprich jeden Tag) Sport machen. Gesund leben und so.. Aber in den verbleibenden paar Stunden dieses Jahres geht's noch mal zur Sache! Dem Motto entsprechend fanden wir uns kurz darauf in einem Irish Pub wieder, in dem die Shots doppelt so viel kosteten wie die Longdrinks - was uns allerdings erst hinterher gesagt wurde.. Pleite ins neue Jahr! Ein Glueck war der Black Cherry Cider besser als der Tequilla.. Nach einer weiteren Bar und unzaehligen Taxifahrten von A nach B - laufen konnte man vergessen, bei -17 Grad ist mir das zu doof - waren wir eine Stunde vor Mitternacht am Navy Pier. Hier sollte es das grosse Feuerwerk geben. Oder auch nicht... Nachdem ich 2012 auf 2013 in Wellington schon so enttaeuscht wurde, weil es kein Feuerwerk gab, mussten wir uns auch dieses Jahr mit ein paar Raketen zufrieden geben, die wir mehr oder weniger selbst genauso gut hinbekommen haetten.. Aber immerhin gab's was zu gucken. Viel cooler als das eigentliche Feuerwerk hingegen war dessen Spiegelung in der fast komplett verglasten Skyline Chicagos. Muss man auch mal gesehen haben. Und auch dazu kann man sich was wuenschen... Happy New Year.

Tag 6 und somit mein Abschluss des Urlaubs verbrachten wir komplett bei der Familie, bei der wir uns einquartieren durften - die hatten naemlich einen Pool im Keller und einen Whirlpool draussen im Garten. So laesst sich New Years Day doch vernuenftig zelebrieren :D Ich schwamm also in meinem aufblasbaren Reifen durch die Gegend, beschloss im selben Moment dieses Jahr wieder oefter schwimmen zu gehen und machte mich schon mal dafuer bereit, die naechsten Stunden wieder in Aufbruchsstimmung zu sein, denn morgen frueh ging es nach Boston zurueck. Ich hatte ehrlich gesagt so gar keine Lust. Arbeiten? Alltag? Neeeeeee... Aber es fuehrte kein Weg daran vorbei. Zum Glueck konnte ich mir das Geld fuer ein Ticket zum Flughafen sparen, denn Madlen und Doerte mussten auf dem Weg zurueck nach Milwaukee eh dort vorbei und konnten mich absetzen.Und nun bin ich ein zweites Mal am Flughafen angekommen, nur mit dem Unterschied, dass ich mich auf diesen Flug etwas weniger freue. 19:00Uhr - 05:45Uhr am Airport. Muss man mal gemacht haben.. Ich kann mir zwar deutlich schoenere Wege vorstellen, eine Nacht zu verbringen, aber praktischer ist nichts davon :D Meine Nacht hier lief ungefaehr so ab:10 min am Flughafen - ich hab meinen Check In gefunden. Der ist natuerlich geschlossen, war ja auch nicht anders zu erwarten. Warum sollte man auch um 7 abends einchecken wollen? Aber gut, dann setz ich mich halt davor und warte. Das Wasser in meiner Flasche ist uebrigens gefroren, weil ich Dussel natuerlich vergessen hab, es ueber Nacht aus dem Auto zu nehmen. Bei -16 Grad etwas unguenstig..

2 Stunden - Mittlerweile sind alle Postkarten geschrieben, Fotos aussortiert und ich bin ein Mal durch den gesamten Flughafen spaziert. Mittlerweile hab ich auch einen Sitzplatz gefunden, der NICHT fuer Behinderte reserviert ist und mich mehr oder weniger bequem hingesetzt, Musik eingestoepselt und nun wird laut mitgesungen. ..just kidding.

3,5 Stunden - aus irgendeinem Grund ist keine Menschenseele mehr hier. Noch nie 'nen leeren Flughafen gesehen. Hab mir mittlerweile 3 Playlists erstellt, die ich wahrscheinlich niemals anhoeren werde. Ich hab hunger... irgendwie unbequem hier... ohne diese daemlichen Armlehnen zwischen den Sitzen koennte man sich wenigstens hinlegen und versuchen zu schlafen. Obwohl die Zeit eigentlich relativ zuegig vergeht..


6 Stunden - Mein Handy spielt seit 15min Tokio Hotel. Ich dreh durch!

7 Stunden - Yippie, nur noch 4 Stunden bis zum Abflug !! Kind friert. Tee waer jetzt cool. Oder 'ne Decke. Vielleicht auch 'ne Heizung. Eigentlich gar keine so schlechte Idee auf Flughaefen zu uebernachten.. Wenn man als Backpacker mal fuer eine Nacht nichts hat, ist das echt praktisch. Gibt was zu essen, man hat Platz und es kostet nichts :)10 Stunden - Its the fiinaaaal Countdooown..!!! Kaum zu glauben, aber ich bin endlich meinen Koffer los. Und Fruehstueck habe ich auch gefunden! Ich muss mich zwar mit Blueberry Tea und Frischkaesebagel zufrieden geben, aber um 5Uhr morgens kann es schlimmeres geben :D In ein paar Minuten gehts Boarding los und dann befinde ich mich in Kuerze auch schon wieder in der Luft. 2,5 Stunden Flug bis nach Boston. Auf, auf...
Boarding - endlich !! Nun ist mein Urlaub also vorbei. Ich koennt heulen. Das Reisen hat mir so sehr gefehlt... ich hatte so viel Spass in den letzten Tagen. Es hat mich sehr an die Zeit in Neuseeland erinnert. Einfach machen, worauf man gerade Lust hat.. Aber fuer mich geht es jetzt erst mal wieder zurueck in den Alltag als Au Pair. Meine Laune hebt sich hoffentlich wieder, bis ich Montag wieder arbeiten muss. Ich werde auf jeden Fall dieses Jahr einiges umstellen, was mich eine Weile beschaeftigen duerfte.

Es ist ein neues Jahr.. und glaubt mir, ich hab viiiel vor..