Hands down - Halbzeit!

Ein mal tief durchatmen. Halbzeit. 6 Monate. Ein ganzes halbes Jahr. Die Haelfte meines USA-Aufenthalts ist nun vorbei - und ich bin sowas von ready to leave..! Ich bin mittlerweile der festen Ueberzeugung, dass ein halbjaehriges AuPair Programm wesentlich sinnvoller gewesen waere. Aber sowas muss erst noch erfunden werden. Es ist vielleicht auch ne spannende Aktion, wenn man nach einem halben Jahr die Familie wechselt und noch mal einen anderen Teil des Landes sieht. Nur wuerde ich um keinen Preis der Welt meine Familie hergeben wollen :D Ich werde es wohl aussitzen und jede Gelegenheit nutzen muessen, um mal aus klein Ashland raus zu kommen und die grosse weite Welt zu sehen - oder zu mindest erst mal den Rest der Ostkueste. Um mal beim Thema Reiseplanung zu bleiben... Ich habe meine freien Tage die letzten Wochen ueber mal dazu genutzt ein paar Wochenendtrips auszuarbeiten. Sobald das Wetter also wieder etwas sommerlicher wird, ziehe ich los und erkunde Massachusetts, Maine und New Hampshire. Das sollte zu mindest ein wenig Abwechslung schaffen ...An sonsten ist eigentlich alles beim Alten. Es gibt nichts Neues, es ist nicht viel passiert - rund um: Es laeuft.

Puenktlich zum Bergfest hat mir auch das Wetter ein Geschenk mitgebracht. Es werden wahrscheinlich einige von euch in den Nachrichten gesehen oder gehoert haben, dass seit Montag an der gesamten oberen Ostkueste etwas Land unter ist. "Forecast: Possibly Historic Blizzard To Hit Boston Monday Into Tuesday" - Ich stelle vor: Snow Storm Juno. So sassen wir also Sonntag Abend ueber dem Wochenplan und schmiedeten Notfallplaene. Es sollte Montag gegen Nachmittag losgehen. Wir erwarteten ueber Nacht ca 36″ Schnee (also knapp einen Meter) und Sturm in Hurricane-Staerke, sowie starke Boehen und Ueberflutungen an den Kuesten von Massachusetts. Laut Plan hatte ich die Ehre hatte sowohl Montag als auch Dienstag die Maedels in die Schule zu fahren und auch wieder abzuholen. Demnach wollte ich natuerlich so gut es ging vorausplanen, damit ich mit den Maedels noch rechtzeitig vom Highway runter komme, eh der krasse Verkehr losgeht, weil alle ploetzlich auf einen Schlag nach Hause wollen bzw Heim geschickt werden. Man munkelte sogar schon von eventuellem State Emergency, sprich Notstand, was so viel bedeutet wie: Schulen geschlossen, Fahrverbot, etc. Wenn das der Fall waere, haette ich sogar eine Death Line gehabt. YAY! ...Es dauerte dann am Montag auch nicht lange, bis der Anruf von der Schule kam: Alle After School Activities werden gecancelt. Keine Schule am Dienstag. Ok - das war abzusehen. Hatte den Vorteil, dass wir vor dem grossen Ansturm auf den Strassen zurueck nach Hause kommen konnten. Die Lehrer hatten natuerlich sicher gestellt, dass keiner ihrer Schueler den freien Tag entspannt zu Hause chillen konnte. Es hagelte Hausaufgaben ueber Hausaufgaben. Demnach war mein Kind gut beschaeftigt und ich durfte mich Dienstag unter anderem Kohlekreislaeufen, Umwelttechnologien, Franzoesischvokabeln und der Klimaerwaermung widmen. DEN GANZEN TAG!! Ich frag mich manchmal, warum dieses Kind nicht in der Lage ist, allein zu lernen.. Ich hab ja kein Problem damit, sie abzufragen.. aber nicht 10x hintereinander ueber immer wieder das gleiche, bis sie der Meinung ist, dass sie es kann und wir das naechste anfangen koennen. Die einzige laengere Unterbrechung brachte mich fuer knappe 2 Stunden raus in den Schneesturm - zum Einfahrt frei schippen. Nun ist unsere Einfahrt ja gleich mal so lang, dass man 3 grosse Autos hintereinander und in zwei Reihen nebeneinander parken kann. Und ueberall lagen ca 70cm Schnee. Wir schaufelten uns also erst mal einen Weg aus dem Haus raus, bevor ich dann anfing mein kaum noch sichtbares Auto auszubuddeln und Annemarie mit dem Snowblower (THANK GOD fuer diese Erfindung!) den Driveway freilegte, damit wir ihr mit den Schaufeln hinterher schippen konnten, um einen vernuenftigen Weg zu bekommen. Da mein Hostdad nicht zu Hause war (er arbeitet fuer die Energieversorgung und durfte deswegen nicht wie alle anderen Heim, sondern musste extra Schichten schieben, damit uns nicht das Licht ausgeht), konnten wir es nun nicht bei einem Weg zu Strasse und wieder zurueck belassen, sondern mussten die gesamte Flaeche frei schieben, damit er mit dem Auto rein kommt. Mein Workout fuer diesen Tag stand also fest. Aber bevor ich ueberhaupt raus konnte, wurde ich erst mal vollgenoelt, weil ich mich nicht in 10 Skihosen eingepackt hatte, sondern einfach nur ne Leggins unter meiner Jogginghose hatte und mit Pulli und Jacke raus wollte. Ist ja nett, dass sie nicht wollen, dass ich friere. Aber nur weil ich aus Deutschland bin, heisst das nicht, dass ich nicht weiss, dass Schnee kalt und nass ist. Aber ich wollte mich ja auch nicht reinlegen. Und beim Schnee schieben schwitzt man sich eh zu Tode, wenns an solche Massen geht. Aber vielleicht ist der Schnee hier ja anders. Woher soll ich das schon wissen... Am Ende waren das einzige, was mir abgefroren ist, meine Finger. Aber das hab ich bestimmt von Papa geerbt ;D So stand ich nach Ewigkeiten des Schaufelns durchgeschwitzt und mit am Schal festgefrorenen Haaren im Schnee, hab mich gefreut wie ein (-Achtung-) Schneekoenig und durfte zum Abschluss sogar noch mal in den hochgeschaufelten Berg huepfen, damit ich auch wirklich ueberall klatsch nass und weiss war. Der Tag endete schliesslich damit, dass die Schule ein zweites Mal anrief und uns mitteilte, dass Julia auch den Mittwoch noch daheim verbringen durfte - war auch irgendwie klar. Wenn die Menschen schon kaum aus ihren Haeusern raus kamen, wer sollte dann die Schule frei schaufeln?

Und so kam es, dass ich gerade fruehstueckend auf der Couch sitze und auf mein Kind warte, statt sie in die Schule zu bringen. Die Putzfrauen sind erstaunlicherweise grade gekommen - mit denen hatte gar keiner gerechnet bei dem Wetter... Ich verkruemel mich also gleich wieder nach unten, bevor sie mich wegsaugen. Mein Hostdad hat es heut Nacht um 2 auch endlich mal wieder nach Hause geschafft und schlaeft jetzt erst mal eine Weile. Hostmom ist inzwischen auf Arbeit gefahren und auch ich muss mich nachher auf die Strasse begeben um fuer die Grosseltern einzukaufen... :D YAY! Die haben es gut.. kommen grad aus Florida wieder und muessen sich um nichts kuemmern..

In diesem Sinne - Happy Halbzeit !!