First Impressions

Ein Abend in Dresden, unterwegs mit einer Freundin aus Amerika. Wir betreten die Bar, in der uns einer ihrer Freunde bereits einsam erwartet.
Schnell umgeschaut, Location gecheckt. Ganz nett hier... Wir bestellen uns Cocktails. Nach und nach trudeln die Anderen ein. Wir bestellen mehr.

"Also Charly, das sind...." - Ich hatte ihre Namen sofort wieder vergessen. Nicht jedoch die Kette, die einer der Männer trug. Sie erinnerte mich irgendwie an meine beste Freundin. Welch Ironie. Der ist mir sympathisch... Oder?

Es sind oft die ersten Sekunden, in denen wir - meist nur durch Äußerlichkeiten - entscheiden, ob wir jemandem die Chance geben uns sympathisch zu werden. Völlig unbewusst geht mein Kopf durch, ob mein Gegenüber alle Punkte meiner Sympathie-Checkliste erfüllt, als bräuchte man erst eine amtliche Genehmigung, um sich mit mir abgeben zu dürfen. In Bruchteilen einer Sekunde entscheide ich, mit wem ich mich an diesem Abend unterhalten werde. Und eigentlich weiß ich noch gar nichts über sie...

Die Cocktails sind leer. Wir gehen. Auf dem Heimweg fällt mir auf, dass ich mich nicht geirrt hatte. Er war mir wirklich sympathisch gewesen. Genauso, wie die Anderen. Ein Abend voller guter Gesellschaft. Geblieben sind tatsächlich keine Namen, jedoch Gesichter, Eindrücke und eine Menge lustige Momente. Und eine Plastikgiraffe.

Es ist schon ein wenig gespenstisch, wie schnell man über Menschen urteilt, die man meist noch keine halbe Minute kennt. Was ich mich dabei aber unweigerlich frage: Wenn ich so über Andere denke.... Was denken dann wohl Andere, wenn sie mich zum ersten Mal sehen?

Was würde ich von mir selbst denken?