Eine Reise ans andere Ende der Welt

Die verbliebenen 5 Tage vergingen wie im Flug. In der Zwischenzeit habe ich noch gefühlte 100 Mal umgepackt, mein gesamtes Zimmer in Kisten geräumt, damit meine Eltern während meiner Abwesenheit ein bisschen renovieren konnten und für den ein oder anderen Abschiedsbesuch war auch noch Zeit. 
Schon komisch das eigene Kinderzimmer so eingepackt zu sehen. Es fühlte sich an, als würde ich mit diesem Tag meine ganze Kindheit in Kartons verpackt hinter mir lassen und in ein neues Kapitel aufbrechen. Alles auf Anfang. Kein Weg führt zurück. Die Tage waren gezählt, in denen man behütet aufgewachsen war und es keine größeren Probleme gab, als der Streit um die erste Bratwurst vom Grill.

Es war ein Montag, an dem unsere Reise von Frankfurt aus starten sollte. Mein Vater hatte sich den Nachmittag frei genommen, um mich zum Flughafen zu fahren, meinen Bruder jedoch musste ich schon früh am Morgen in die Schule verabschieden. Wenn ich wiederkomme, wird er wohl kaum noch wieder zu erkennen sein.

Ein paar letzte Stunden verbrachte ich also noch in meinem alten Kinderzimmer.

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24.09.2012 14:40 - Ready, Set, GO!

Ooooooooooooooooooooooooh mein Gott, es geht los!!!

Ich wünschte, ich könnte behaupten, ich wäre aufgeregt... Ganz ehrlich? Kein bisschen. So richtig in Abschiedsstimmung bin ich noch nicht, auch wenn ich meinen kleinen Bruder schon verabschiedet habe und in nicht mal einer Stunde mein Zuhause verlassen werde und mich mit dem Papataxi auf den Weg nach Frankfurt zum Flughafen mache... schon verrückt.

Dafür waren die letzten Stunden hier umso schöner. Ein letztes Wochenende in Leipzig zur Fashionweek von Peek&Cloppenburg, leckeres Abschiedsessen im Espitas und ein kleiner Abschiedsbesuch in der Schule, in der ich dann auch meinen kleinen Bruder zurücklassen musste.. Ein herzliches Dankeschön im Übrigen an Frau Ludwig, nicht nur dafür, dass sie während der nächsten 8 Monate meinen Pinguin adoptiert hat, sondern auch für ihre Motivation und Freude, die sie mir mit auf den Weg gegeben hat.

Nun kommt also die Abfahrt immer näher... ich bin gespannt, was mich dort drüben/unten/wo auch immer erwartet... schöneres Wetter sicherlich nicht, ist ja noch beinahe Winter... viel mehr beschäftigt mich aber momentan die Frage: Was fange ich in 29 Stunden Flugzeit mit mir an?..

Leute, ihr werdet mir fehlen!!

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Einen letzten Blick wagte ich noch, bevor ich mein Zimmer und damit auch mein langjähriges Zuhause verließ. Wenn ich wiederkomme, wird nichts mehr so sein, wie ich es kenne. Alles wird anders sein. Und auch ich werde anders sein...

2 Stunden Autofahrt später erreichten wir den Frankfurter Flughafen. Wie erwartet waren wir die letzten, Chris und ihre Cousine, die ebenfalls mit uns reiste, waren bereits samt Familie vor Ort. An jeder Ecke umarmten sich Menschen, winkten, weinten. Und auch für uns war es allmählich Zeit Auf Wiedersehen zu sagen. Und nun hatte auch ich zum ersten Mal einen Kloß im Hals. Was bisher noch so unglaublich weit weg war, stand nun in greifbarer Nähe vor mir. Nur einen Schritt weiter und ich würde die Sicherheitskontrolle passieren, in den Flieger steigen und für die nächsten paar Stunden erst mal keinen Fuß mehr auf die Erde setzen. Plötzlich war es soweit. Mit einem Schlag war uns allen bewusst, dass das hier gerade wirklich passiert. Es war kein Traum mehr, kein Hirngespinst. Es war Realität. Und von diesem Moment an gibt es kein Zurück mehr...

Es lässt sich nur schwer beschreiben, was in diesem Moment in mir vorging. Man schwebt irgendwo zwischen Aufregung und Vorfreude, Traurigkeit über den Abschied, vor allem aber Angst und Respekt vor dem, was vor einem liegt. Es schwirren mir tausend Fragen im Kopf herum, unendlich viele Gedanken. Man spinnt sich zusammen, was wohl passieren wird, wem man begegnet oder wohin es mich verschlägt. Doch mit dem Schritt durch die Sicherheitskontrolle ist all das auf ein Mal wie weggeblasen. Man denkt nicht mehr. Man spekuliert nicht mehr. Man will einfach nur noch los! Sich endlich ins Abenteuer stürzen. Denn am Ende kann man sich so viele Gedanken gemacht haben wie man möchte - es weiß eh niemand vorher was kommt. Und das ist auch gut so...