Der Weg nach oben.

Einen Monat ist es nun her... 4 Wochen am Boden. 4 Wochen mit zu wenig Schlaf, Essen und Lachen. 4 Wochen, in denen sich meine Welt verändert hat. Und ich mich mit ihr...

Wenn man an den Punkt kommt, an dem man in den Spiegel schaut und feststellt "Hey, die haben recht... ich seh' wirklich verdammt scheiße aus momentan!" - spätestens dann wird dir bewusst, was du dir selbst in den letzten Wochen angetan hast. Mit mittlerweile 52kg, Größe 32 und den härtesten Augenringen seit Jahrhunderten ist wirklich nicht mehr viel von mir übrig geblieben. Und wofür?...
Die vergangenen Tage haben mich aufwachen lassen. Und neben all den negativen Dingen sind nun auf ein mal wieder ein paar positive Faktoren hinzugekommen. Ich bin noch lange nicht drüber weg... aber ich bin langsam wieder ich selbst. Und das verdanke ich Euch!
Wenn es dir wirklich schlecht geht, dann bist du manchmal einfach zu schwach, um dich selbst aus diesem Loch zu ziehen. Du willst es, aber du schaffst es nicht. Und genau in diesem Moment seid ihr für mich da gewesen! Ich danke Euch. Ich danke euch für die stundenlangen Predigten, die ihr mir selbst mitten in der Nacht gehalten habt. Ich danke euch für die aufbauenden Worte und fürs Mut machen. Dafür, dass ihr mir zugehört habt, wenn ich den gleichen Fehler zum fünften Mal gemacht habe. Dafür, dass ihr mir endlich klar gemacht habt, dass ich selbst an erster Stelle stehe.
Die ganze Zeit über dachte ich, ich muss das von ihm hören. Er ist derjenige, der mich um Verzeihung bitten muss und mir sagen soll, dass ich das mir und meinem Körper nicht länger antun kann. Dass er nicht möchte, dass ich mich kaputt mache. Ich glaubte, nur wenn ich mit ihm im Guten auseinandergehen kann, kann ich auch positiv nach vorne schauen. Ich dachte wirklich, ich brauche IHN dafür... Aber ich lag so falsch...
Und seit Dienstag Nachmittag weiß ich das. Dieses Treffen hat mir gezeigt, dass es nicht Er war, der mir das sagen musste... sondern einfach nur jemand, der ihn schon sehr lange kennt. Jemand, der mir das Gefühl gibt, dass ich mir das alles nicht nur einbilde, sondern dass sein Verhalten in letzter Zeit wirklich nicht normal war. Jemand, der keine Details brauchte um zu sehen, dass es mir schlecht geht mit der Situation. Jemand, der ihn deutlich länger kennt als mich, musste mir sagen, dass es das nicht wert ist. Dass ich selbst am wichtigsten bin. Und dass ich nicht alles und jeden verliere, nur weil ich ihn verloren habe. Und das hast du getan. Ich danke dir dafür!
Wochenlang war ich wie im Delirium. Ich war gefangen in einem nicht enden wollenden Alptraum. Es gab zwar hin und wieder kurze lichte Momente, aber sie reichten nie aus um aufzuwachen und mich selbst da raus zu holen und mir einzugestehen, dass - so sehr ich es auch versucht habe - wir nie wieder zusammen finden werden. Aber als ich nach diesem Treffen am Dienstag nach Hause ging, war ich plötzlich hell wach. Als hätte mir jemand die Bratpfanne vor den Kopf gehauen und mich wie durch ein Wunder geheilt. Ein paar Stunden zuvor noch bin ich Ärzte abgelaufen, um mir Hilfe zu holen. Und jetzt - einfach so - war auf ein Mal alles klar... Ich lief nach Hause und war zum ersten Mal seit Wochen wirklich glücklich. Es ging mir gut. Ich war wach...

Ich bin dir nicht mehr böse... Ich bin nicht mehr verletzt. Ich bin enttäuscht, aber es tut nicht mehr so weh. Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich von Dingen oder Menschen zu befreien, die man nicht mehr in seinem Leben haben möchte oder die einem nicht mehr gut tun. Das hast du vor 4 Wochen getan. Und das ist okay... Ich wollte es lange nicht wahr haben, aber aus heutiger Sicht weiß ich, dass es richtig für dich war. Und dass ich den selben Schritt auch hätte gehen müssen, irgendwann in den letzten Wochen. Du bist ihn jetzt für mich gegangen. Danke, dass du es mir abgenommen hast, dich aus meinem Leben zu streichen. Jetzt muss ich mir nur noch klar machen, dass es mir auch ohne dich gut gehen wird. Aber vielleicht ist der Schritt dahin gar nicht so weit...
Es heißt "Jedes Mal, wenn ein Mensch dein Leben verlässt, tritt ein Anderer hinein." - und ich glaube genau das passiert gerade. (An dieser Stelle - Danke Bea, dass ich bei deinem Umzug helfen durfte!) ...ich glaube das Wichtigste nach einem tiefen Fall ist es, zu merken, dass es egal ist, wie tief unten du bist. Es gibt immer jemanden, der dich trotzdem noch sieht... Jemand, der dich im Vorbeilaufen bemerkt und stehen bleibt. Ich bin vielleicht 10kg leichter... aber noch nicht unsichtbar! Ich bin vielleicht kaputt und am Boden - aber mein Inneres strahlt noch immer! Und seit er mich gesehen hat, habe ich auch wieder ein bisschen Selbstwertgefühl zurück. Auch wenn ich bald von hier weg gehe... ich glaube es musste genau jetzt passieren, dass jemand neues in mein Leben tritt, der mir klar macht, dass ich nicht für immer allein sein werde...

Es war keine leichte Zeit. Die letzten Wochen haben mich geprägt - und verändert. Ich habe in den letzten Wochen vieles falsch gemacht. Aber ich habe auch daraus gelernt. Ich habe gelernt, dass jeder eine zweite, jedoch niemals eine dritte, vierte oder fünfte Chance verdient hat. Ich habe gelernt, dass es nicht immer richtig ist, auf sein Herz zu hören. Ich habe gelernt, dass dir auch Menschen, denen du vertraust, ins Gesicht lügen können. Ich habe gelernt, dass ich zu gutgläubig und zu naiv bin.
Und ich weiß jetzt, dass sich die Welt immer weiter dreht, egal was passiert. Es geht tief runter, verdammt tief. Aber irgendwann wird dir klar, dass es Menschen gibt, die dir Schritt für Schritt nach oben helfen, bis du den letzten Schritt selbst gehen kannst.

"Never let anybody hurt you twice."