Berufswahl und Lebenserwartungen

Es kommt immer wieder vor, dass ich schief angeguckt werde, wenn ich Anderen erzähle, wie ich mir das Leben so vorstelle, wovon ich so träume. Kaum einer versteht, was in meinem Kopf vorgeht. Für einige scheint es schon beinahe absurd zu sein überhaupt so zu denken.
Früher bestand das optimale Leben aus Schule, Ausbildung, heiraten, Kinder kriegen, alt werden. Mit monatlichem Lohn bei einer 40h Woche und unzähliger abgeschlossener Versicherungen gab man sich am Ende meist zufrieden. Was wollte man schließlich mehr? Man hatte alles erreicht. Fertig.
Nicht bei mir!

...Steht nur die Frage im Raum: Was will ich vom Leben?

Dass ich nicht immer den direkten Weg gehe, ist mittlerweile wohl unverkennbar. Zwei Auslandsaufenthalte, eine abgebrochene Berufsausbildung, ein angefangenes Studium... Letzte Woche bin ich 23 Jahre alt geworden - und noch immer habe ich keine Ahnung, was mal aus mir wird.
Die Generation meiner Eltern schüttelt dabei immer nur mit dem Kopf und verweist auf ihre eigenen "gelungenen" Kinder, die im gleichen Alter sowohl Bachelor- als auch Masterabschluss in der Tasche haben und sich nun brav auf hochbezahlte Jobs bewerben, bald heiraten und natürlich in ein paar Jahren auch Familie haben werden. So gehört sich das ja schließlich. TUT ES DAS? ...ich sage nicht, dass es falsch ist, diesen Weg zu gehen. Aber ist es denn ausnahmslos für jeden das Richtige?
Nicht für mich!
Diese Lebensweise bietet zweifelsohne eine gewisse Sicherheit. Aber die will ich nicht! Ich möchte mich selbst verwirklichen und dafür alle Risiken in Kauf nehmen. Ich möchte erfahren, was mich glücklich macht und es nicht einfach beschließen. Ich möchte nach zwölf Jahren Schule die Chance haben jung zu sein und Fehler zu machen. Und aus ihnen zu lernen. Ich möchte mich ausprobieren und auf die Nase fallen, meine Grenzen testen und Stärken finden. Und irgendwann werde ich nicht mehr vor dem Problem stehen, dass ich mich für einen Lebensweg, einen Beruf entscheiden muss. Es wird von ganz allein passieren.
Wir alle stehen vor den heutzutage scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, sodass wir uns gar nicht entscheiden können, welchen Weg wir gehen. Denn wir durch eine Tür gehen, schließt sich möglicherweise eine andere. Das Risiko überfordert uns, also bewegen wir uns aus unserer Komfortzone nicht mehr raus und verdrängen viele unserer Möglichkeiten und Chancen. Die richtige Tür zu aufzumachen und einfach herein zu spazieren ist allerdings nicht nur eine Sache der Risikobereitschaft, sondern auch von Glück. Immerhin ist Glück genau der Faktor, der das Risiko zum Risiko macht.

Ganz ehrlich... wer weiß schon, was das Leben bringt? Ich kann nur erahnen, wohin es mich führt. Und aus dieser Ahnung muss ich nun das Bestmögliche machen. Ich weiß, dass ich reisen will. Ich möchte frei sein, mich jederzeit neu orientieren können. Ans Limit gehen. Ich möchte in 50 Jahren sagen können, dass ich glücklich bin. Und welcher Weg mich an dieses Ziel bringt, das wird sich zeigen...