Azubi-Life und Findungsphase

Hallo 40-Stunden Woche. Hallo Schlafdefizit. Hallo Kaffee...

Die ersten zwei Wochen im neuen Job sind nun schon vorbei und allmählich wird es Zeit für ein Update. Zumindest für einen ersten Eindruck.
Vor allem diese Woche war gefühlsmäßig ein heftiges Auf und Ab. So viele Emotionen in so wenige Tage zu quetschen war auch für mich neu - und ich bin ja nun nicht unbedingt bekannt für Emotionslosigkeit. Aber auf das, was die vergangenen Tage so alles mit sich brachten, war sogar ich nicht vorbereitet...
Aber auch unabhängig vom beruflichen Umbruch waren die vergangenen Wochen hier oben recht ereignisreich. Es hat sich viel getan - die Wohnung ist fast fertig eingerichtet, ich habe einen neuen Volleyballverein und spiele ab sofort auf Mitte (nein, nicht freiwillig), die ersten Kontakte sind geknüpft und mein Leben verläuft wieder einigermaßen in geraden Bahnen. Läuft bei mir...

"Willkommen im Hapag-Lloyd Reisebüro Ahrensburg!"

Ja, hier sitze ich nun Tag für Tag und schaue Menschen dabei zu, wie sie ihre wohl verdienten Urlaubstage planen und an Orte reisen, die ich selbst unbedingt noch sehen möchte... ausgenommen Mallorca. Da will ich nicht hin. Nein, wirklich nicht.
Das Arbeitsklima ist wirklich super und auch wenn mich ab und an ein fliegender Stift trifft (was mich im übrigen sehr an die Gummibärchenschlachten in der Bank erinnert), so hätte ich mir kein besseres Team wünschen können! Es gibt ja immer diesen einen Kollegen, den man nicht so wirklich leiden kann... den suche ich hier immer noch vergebens. Der einzige Haken an der Arbeit hier ist wirklich das Fernweh - diesen Punkt habe ich deutlich unterschätzt. Und so kamen auch die Stimmungsschwankungen der vergangenen Woche zustande.

Es könnte gerade in meinem Leben ungelogen kaum besser laufen... und doch fehlt mir das Reisen mit jedem Tag mehr. Aber das geht momentan einfach nicht. Ich kann nicht weg. Ich kann nicht wieder alles hinschmeißen und abhauen, auch wenn es mich raus in die Welt zieht... Ich weiß, dass das jetzt nicht geht.
Nachdem ich in den ersten Tagen hier recht schnell feststellen musste, was ich alles NICHT weiß, war klar, dass ich hier vorerst keine große Hilfe sein werde. Kein Wunder, aber doch schon irgendwie recht wenig zufriedenstellend, gerade für jemanden wie mich, der gern von heute auf morgen alles wissen und können möchte und es hasst keine Ahnung zu haben. Doch wenn man sich ein mal traut, einen Schritt weiter zu gehen, etwas zu tun, wovon man praktisch gar keine Ahnung hat, dann kommt mit jedem Tag ein bisschen mehr Selbstbewusstsein. Und auch wenn es jedem, der schon länger in dieser Branche tätig ist, wenig erscheinen mag - ich hätte nie gedacht, dass man in nur zwei Wochen so viel lernen kann. Ich bin wahrlich kein Experte, wenn es um Kundenkontakt geht. Am liebsten würde ich mich 24h am Tag hinter einer geschlossenen Tür verstecken. Aber da muss ich jetzt durch... und auch, wenn mir bei jedem Kunden, der zu Tür rein kommt, klar ist, dass ich ihm kein bisschen helfen kann, es sei denn er will bloß Kaffee trinken, so werde ich doch mit jedem Tag ein bisschen sicherer.
Und mit dieser langsam wachsenden Sicherheit und den mittlerweile doch schon gut gefüllten Info-Ordnern kommt auch die Motivation Tag für Tag ein bisschen deutlicher zum Vorschein. Denn eigentlich ist das echt geil, was wir hier machen...

Die nächsten Wochen werde ich wohl noch mit einigen Schiffsbesichtigungen, Kreuzfahrt-Schulungen, Flughafen-Codes lernen und endlosem Kataloge wälzen im Büro und abends auf der Couch verbringen, aber irgendwie macht auch das langsam Spaß.
Und weil mein Fernweh diese Woche einfach zu groß geworden ist und keine Besserung in Sicht war, habe ich mir jetzt kurzfristig im Oktober eine Woche Urlaub genommen und Flüge nach Boston gebucht. Zack, Problem gelöst! Eine Woche reisen, eine Woche Familie. Eine Woche nach Hause... Can't wait - See you soon, America!