Backpacking für Anfänger: Meine Tipps

Gerade die Schule hinter sich, das Studium abgeschlossen oder einfach die Nase voll vom grauen Berufsalltag - für viele Menschen ist Backpacking der erste Schritt hinaus in die Welt, raus aus der eigenen Komfortzone und hinein ins bunte Leben. Doch wie genau stellt man das nun eigentlich an?! 

Wie funktioniert "Backpacking" überhaupt? 

Und auf was muss man achten? Als kleine Orientierung und Einstieg in die Welt der Rucksack-Reisenden habe ich hier für Euch ein paar Essentials zusammengestellt, die jeder Backpacker wissen sollte!

REISEN bringt unglaublich viel Abwechslung ins Leben. Die erste Backpacking Reise alleine zu planen ist wahnsinnig aufregend, macht 'ne Menge Spaß und gibt direkt ein kleines bisschen das Gefühl von Freiheit. Über den eigenen Schatten springen, Neues erleben, sich etwas trauen. Die Welt entdecken, Abenteuer erleben, fremde Kulturen kennenlernen und Freundschaften in der ganzen Welt schließen. Klingt doch gut, oder?

Natürlich ist Backpacking bei Weitem mehr als bloßes Vergnügen. Es ist harte Arbeit, verbunden mit viel Selbstvertrauen und Willensstärke. Denn wer "planlos" durch die Welt ziehen will, sollte eine gute Portion Selbtbewusstsein mitbringen um allen Eventualitäten entgegenzutreten.

Tipp #1
Mach dich nicht verrückt 

Schon klar, I get it. Das ist wahrscheinlich das spannendste und aufregendste Abenteuer deines Lebens. Trotzdem! Es wird keineswegs leichter, wenn du dich in regelmäßigen Abständen selbst verrückt machst.

Es ist nicht jeder auf der Welt mit meiner Gelassenheit gesegnet, wenn es um's Reisen geht. Das weiß ich. Und das ist auch gut so. Ein bisschen "Sorge", wenn man es so nennen kann, ist ja auch völlig in Ordnung. So komplett ohne Plan in ein fremdes Land zu reisen und einfach davon auszugehen, dass das schon alles irgendwie klar geht, ist definitiv auch der falsche Ansatz. Jedoch ist Backpacking etwas, was durch zu viel Durchdenken und Planen kaputt gehen kann. Es lebt von spontanen Momenten, von Bauch-Entscheidungen und von diesem gewissen Fünkchen Planlosigkeit.

Und letztendlich ist die Community unter Backpackern mittlerweile so enorm groß, dass man mit keinem Problem wirklich alleine ist. Irgendwer hilft immer! Also mach' dir keinen Kopf und stürz dich ins Abenteuer!

Tipp #2
Plane deine Reise durch (NICHT!!!)

Bitte, bitte, bitte, tu es nicht! So reizvoll es auch ist, die ganze Reise vorher zu planen (gerade wenn der Trip noch etwas weiter in der Zukunft liegt und man die Zeit überbrücken möchte), lasst es bleiben!

Stell dir folgendes Szenario vor: du kommst irgendwo an und hast für zwei Nächte ein Hostel gebucht. Nun bist du dort und es gefällt dir so extrem gut, du hast nette Leute kennengelernt und von so vielen versteckten Highlights erfahren, dass du gerne noch länger bleiben und dir alles anschauen würdest, musst aber weiter, da du bereits deine ganze Reise durchgeplant hast!
Blöd, oder?

Lass dir Zeit für Spontanität. Weniger ist oft mehr! Die besten Erlebnisse hatte ich, wenn ich Entscheidungen spontan aus dem Bauch heraus getroffen habe. Außerdem sind wenige, intensive Eindrücke oft viel mehr wert, als kurze, oberflächliche Aufenthalte.

Tipp #3
Nimm nicht zu viel mit!

Nein, du musst nicht deinen gesamten Kleiderschrank einpacken. Ich persönlich finde zwar, das dies ein Fehler ist, den jeder selbst machen muss, einfach weil man mal erlebt haben sollte, wie es ist bei 30 Grad im Schatten mit 20kg+ auf dem Rücken einen neuseeländischen "Hügel" zum nächsten Hostel hoch zu stolpern und zwischendurch hunderte Tode zu sterben... aber ich bin ja hier um zu helfen ;)

Ich kenne dieses Dilemma nur zu gut, wenn man kurz vor der Reise zwischen Bergen von Klamotten sitzt, einen Heulanfall nach dem anderen bekommt und nach einer Stunde immer noch nichts im Rucksack ist, weil man einfach nichts Zuhause lassen möchte.
I've been there, believe me...
Fakt ist jedoch: So löblich der Gedanke auf alles vorbereitet sein zu wollen im ersten Augenblick auch scheint, so unnötig ist er doch. Denn erstens: Gerade die Situationen, auf die man nicht vorbereitet ist, machen am meisten Spaß! (Damit meine ich nicht, dass du ohne Bikini nach Autralien fliegen oder keine festen Schuhe zum Wandern mitnehmen solltest!) Und zweitens: Egal wo die Reise hin geht, auch dort gibt es Geschäfte, in denen man einkaufen kann. Und glaubt mir, das werdet ihr tun! Ich persönlich weiß zum Beispiel ganz genau, wie sehr ich auf Hoodies stehe. Wenn ich in ein Land fliege, will ich einen Hoodie von diesem Ort haben! Fazit: Ich werde mir gar nicht erst einen mitnehmen, denn das wird eh das erste, was ich dort kaufe.

Denkt pragmatisch. Packt erst mal zusammen und dann nehmt überall die Hälfte weg. Denn mal im Ernst - wer braucht bitte 3 Jeans?!

Für alle, die immer noch zwischen ihren Sachen sitzen und nicht wissen, wo sie anfangen sollen: Ich habe euch hier meine ultimative Packliste zusammengestellt, mit der garantiert nichts mehr schief gehen kann!

Tipp #4

Locals sind deine neuen besten Freunde

Ich hab ja nichts gegen Backpacker, aber...

Nein, im Ernst. Die Community unter Backpackern ist einzigartig und etwas, das es auf alle Fälle kennen zu lernen gilt! Jedoch schließt sie sich praktisch selbst ein wenig vom eigentlichen Leben in den Orten aus. Man hängt eben entweder mit den Backpackern, oder mit den Locals. Das ist einfach so. Diese Gruppen mischen sich nicht.

So wichtig der Austausch mit anderen Reisenden auch ist, finde ich es immer unglaublich wichtig, egal wo man ist, sich mit Locals zusammen zu tun. Sie kennen die Regionen einfach am besten, wissen wo die wirklich guten Spots sind, wo das Essen besonders gut oder ausgefallen ist und was hier zu Lande eben Gang und Gebe ist. Durch den Kontakt mit Locals lernt man eine Region erst richtig kennen. 

Man reist eben nicht einfach bloß durch. Man kommt an...

Tipp #5

Probier dich aus!

And again - der Austausch mit anderen Backpackern ist klasse! Jedoch sollte man sich nicht immer zu sehr davon beeinflussen lassen. Wie oft habe ich gehört "Wie, du hast kein Fruit Picking gemacht?! Macht man das nicht so als Backpacker?" oder "Ja Skydiving hat halt einfach jeder mal zu machen, das muss doch auf die To-Do-Liste von jedem Backpacker!"

Nein!!!!

Nur weil das "alle" machen (was ich im Übrigen mal stark bezweifeln möchte), heißt das noch lange nicht, dass du das auch machen musst. In solchen Momenten bedanke ich mich höflich für den netten Tipp und lächle einfach. 

Ich kann mit Stolz behaupten, dass ich keinen der "üblichen" Backpacker-Jobs gemacht habe und trotzdem eine super coole Zeit in Neuseeland hatte. Das heißt jedoch nicht, dass man manche Dinge nicht einfach mal probieren sollte. Hätte ich immer gemacht, was alle gemacht haben, wäre ich nie aus meiner Komfortzone heraus gekommen. So skuril die Dinge auch scheinen, wenn der Anreiz da ist, sollte man manchmal einfach nicht zu viel darüber nachdenken.

Tipp #6

Budgeting und Finanzen

Ich weiß gar nicht wie oft ich schon gefragt wurde "Wie viel Geld muss ich einplanen, wenn ich ins Ausland möchte?" - wobei doch die Antwort eigentlich ganz klar ist! 

VIEL. Nein, eigentlich noch mehr...

Zu aller erst einmal kann man diese Frage nicht pauschal beantworten. Das Budget hängt in erster Linie mal vom Reiseziel und der Aufenthaltsdauer ab, nicht zuletzt aber auch vom Lebensstil. Der eine braucht mehr, der andere weniger. Die nächste Frage wäre dann auch: Willst du nur Reisen, oder auch Arbeiten? Wer vor Ort arbeiten will, kommt natürlich mit deutlich weniger Geld aus der Heimat aus, als jemand, der ausschließlich Reisen möchte. 

Ich plane grundsätzlich so, dass ich reine Reiseaufenthalte mit einem Tagesbudget ansetze. Dieses enthält dann pauschal Kosten für 3 Mahlzeiten am Tag, die Unterkunft, sofern ich eine benötige und Ausgaben für ÖPNV bzw. Eintritte, die tagesüblich wären. Hinzu nehme ich einen grob überschlagenen Betrag für größere Ausflüge oder Sehenswürdigkeiten, von denen ich weiß, dass sie etwas mehr kosten. Wenn ich dann mein Budget soweit zusammengerechnet habe, kommen noch mal ca 300-500 Euro oben drauf, je nach Land und Aufenthaltsdauer. Denn man braucht am Ende immer mehr, als man einplant. IMMER!

Für Reisen, bei denen ich auch arbeiten möchte - das klassische Work & Travel also - plane ich anders. Sobald Flüge, Visum, Versicherungen und ein Hostel für die ersten 3 Nächte bezahlt sind, bin ich glücklich. Alles, was von diesem Moment an on top kommt, nehme ich gerne mit, ist aber nicht fest geplant. Ja, man könnte meinen, ich mag das Risiko... ;) Ich nehme mir immer vor, so viel Geld "übrig" zu haben, dass ich ca für einen Monat Unterkunft und Verpflegung bezahlen könnte. Denn sobald ich Geld brauche, kann ich ja arbeiten.

Hin wie her ist es immer ratsam neben dem Konto im Inland (für Gehalt etc) auch eine Kreditkarte vom deutschen Konto dabei zu haben. Das macht viele Buchungen deutlich leichter und ist eben doch manchmal die Rettung in der Not, wenn der nächste Job nicht so leicht zu finden ist, wie man es sich erhofft hatte. 

Tipp #7

Setz dich nicht unter Druck 

Dieser Druck unbedingt alles sehen zu wollen, die Angst nicht alle Orte zu schaffen, die auf der List stehen, der eigene Anspruch mindestens genau so viel zu sehen, wie die Backpacker, die man unterwegs getroffen hat - glaubt mir, ich kenne das!

Doch Fakt ist: Du musst hier niemandem etwas beweisen! Nicht einmal dir selbst! Jeder Schritt hinaus in die Welt ist ein Erfolg! Glücklicherweise lässt dieser Druck enorm nach, wenn man erst einmal eine Weile unterwegs ist. Man erkennt sehr schnell, dass Reisen kein Wettstreit ist. Und dass jede Erfahrung individuell und immer Gold wert ist.

Das ist DEINE REISE! Und das sollte dir zu jedem Zeitpunkt bewusst sein. Niemand kann dir diese Zeit und die Erfahrungen jemals nehmen. Es ist dein ganz persönlicher, kleiner Schatz, den du für immer im Herzen mit dir herum trägst.

Worauf wartest du also noch?!