Ahoi Hamburg – Zwischen                                                     Orientierungslosigkeit und Heimat

Ich habe es gewagt - das erste Mal allein in Hamburg!

Wer hätte es gedacht, die Sonne hat sich tatsächlich auch hier oben endlich mal blicken lassen. So selten, wie das vorkommt, konnte ich mir diese Gelegenheit natürlich auf keinen Fall entgehen lassen!
Da ich am frühen Nachmittag sowieso für ein Shooting in der Stadt war, nahm ich mir hinterher ein Stündchen Zeit, um einen kurzen Blick in meine neue Heimatstadt zu werfen. Ich hatte natürlich so überhaupt gar keinen Plan, wo es hier was zu sehen gibt, geschweige denn wo ich mich überhaupt befand... Also bin ich kurzerhand irgendwo aus der U-Bahn ausgestiegen und losgelaufen...

Nach einer kurzen Orientierungspause fand ich mich am Jungfernstieg wieder - hiervon hatte ich zumindest schon mal gehört. Dass ich mir das ein oder andere anschauen wollte, wusste ich natürlich schon bevor ich hier hoch gezogen bin - ich hatte mir aber bewusst keinen genauen Plan gemacht. Ich möchte die Stadt so kennen lernen, wie sie mir begegnet. Ich habe alle Zeit der Welt, ich brauche nichts überstürzen. Und wer weiß, wo mich mein Weg so hinführt...
Wie ich so am Wasser entlang spazierte, die Sonne im Rücken, fiel mir auf wie sehr mir die Nähe zum Meer gefehlt hatte. Gut, die Alster ist nun wahrlich kein Meer, aber ein gewisses Nordseefeeling kommt hier doch auf... Und für einen kurzen Moment stand ich gedanklich in Boston am Hafen.

Jap, ich fühl mich pudelwohl hier!

Ich weiß nicht, ob es dummer Zufall oder einfach Karma war - aber ich habe wohl für's Sightseeing die falsche Richtung eingeschlagen. Denn es dauerte nicht lange, da entdeckte ich die Shoppingmeile (Name noch unbekannt) mit all den schönen, definitiv überteuerten Geschäften. Hugo Boss, Diesel und Tommy Hilfiger reihen sich hier aneinander und gaben mir für einen Moment das Gefühl, ich befände mich in einem amerikanischen Outlet. Nur ohne die billigen Preise, wie ich leider relativ schnell feststellen musste.
Das Geld läuft hier wirklich frei auf der Straße rum. Wo man auch hinsieht, schicke Autos, teuer eingekleidete Menschen und Business, Business, Business... Ein wenig beängstigend, aber auch daran werde ich mich wohl schneller gewöhnen als mir lieb ist. Nur reinpassen werde ich wohl nie so wirklich. Nicht, weil ich es nicht möchte... aber diesen Luxus, der einem hier förmlich ins Gesicht springt, werde ich mir einfach nicht leisten können... 
Mit einem kleinen Trost-Souvenir Shirt von Tommy gab ich mich vorerst zufrieden und sah zu, dass ich meinem Konto zuliebe schnellstmöglich von da verschwand...

So verbrachte ich noch eine halbe Stunde zwischen Sightseeing, Window-Shopping und Orientierungslosigkeit irgendwo zwischen Rathaus und Jungfernstieg... Eigentlich wollte ich noch beim alten Elbtunnel und der Speicherstadt vorbei, aber aufgrund von dunklen Wolken, Hunger und müden Füßen entschied ich mich dann doch dagegen. Das kann warten, wird mir ja nicht davon laufen... viel mehr mache ich mir Sorgen, dass wohl so schnell die Sonne nicht wieder scheinen wird... 
Mit einer Portion Süßkartoffelpommes ging es also zurück nach Hause.

Auch wenn ich nach dieser kleinen Orientierungsrunde nicht behaupten kann, ich hätte Hamburg gesehen, so habe ich doch einen winzigen Eindruck davon erhaschen können, was mich die nächsten Jahre hier erwarten wird. Gefallen hat mir diese Stadt schon immer - aber ich glaube heute habe ich mich in sie verliebt!
Es tut unglaublich gut so nah am Wasser zu sein, ein kleines bisschen Ruhe und Natur in dieser pulsierenden Stadt zu haben. Ich freue mich schon unglaublich darauf, alle Facetten kennen zu lernen und irgendwann mal behaupten zu können, dass das jetzt MEIN ZUHAUSE ist. Bis dahin werde ich mich wohl noch das ein oder andere Mal verirren, in die falsche U-Bahn einsteigen und aufgrund meines mittelschweren Dialekts als Ossi enttarnt werden... ;D