15 Stunden in New York City


Über ein Jahr ist es nun her, dass ich das letzte Mal einen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt habe. Nun ist die Sehnsucht mittlerweile so groß geworden, dass ich nicht anders konnte, als mir spontan Flüge zu buchen. Man möchte meinen, dass eine Woche sich kaum lohnt, mir jedoch war es das in diesem Moment definitiv wert! 

Dass ich nun in New York lande, war so allerdings erst einmal gar nicht geplant. Wie es der Zufall aber so wollte, gab Air Berlin kurze Zeit später die Insolvenz bekannt und strich mal eben meinen Flug nach Boston. Prima!

Glücklicherweise gelang es, mich auf einen Flug am gleichen Tag nach New York City umzubuchen. Da von dort aus regelmäßig Busse Richtung Massachusetts fahren, nahm ich diesen Umstand in Kauf und richtete mich schon mal darauf ein, eine Nacht in New York City zu verbringen.

Welcome to New York!

Obwohl ich in meinem Jahr als Au Pair nicht all zu weit entfernt gewohnt habe - mit 4 Stunden zählt Boston tatsächlich noch zum näheren Umkreis in diesem Land - habe ich es nie geschafft mir diese Stadt wirklich in Ruhe anzusehen. Somit bot sich jetzt die perfekte Gelegenheit dazu, den Big Apple einmal von Nahem zu betrachten.

Um kurz nach 21 Uhr landete ich am JFK Airport. Da ich für eine Woche nicht übermäßig viel Gepäck dabei hatte, konnte ich mit meinem kleinen Handgepäckskoffer geradewegs an den auf wartenden Massen vorbeischlendern und mich geradewegs zur U-Bahn begeben. So begannen für mich spannende 15 Stunden in New York City... 

Wer braucht schon ein Hotel?!

Ungefähr diesen Gedanken hatte ich, als mir bewusst wurde, dass ich die Zeit, die ich in der Stadt zu überbrücken hatte, auch deutlich sinnvoller nutzen konnte, als sie mit schlafen zu verbringen.

Immerhin hatte ich bis auf eine 4-stündige Stadtführung noch nichts von New York gesehen. Und eh ich 50$ für eine Übernachtung ausgebe, schaue ich mir dann doch lieber ganz gemütlich die City an - ja, das geht auch nachts! Bis zum Ende war ich mir jedoch nicht ganz sicher, ob das nicht doch eine dumme Idee war. Charly allein in New York. Nachts. Kann man ja mal machen...

Tatsächlich hatte ich mir für die kommenden Stunden viel vorgenommen. Ich wollte schon immer mal die Brookly Bridge bei Nacht sehen. Einen Blick auf die unglaubliche Skyline werfen. 

Leuchtendes New York.

Dort angekommen bot sich mir ein unvergleichliches Bild. Die Stadt strahlte mir entgegen und lies mich für einen Moment wie in Schockstarre zurück. WOW! Dieser Anblick ist einmalig. Schon jetzt war ich verliebt... und das Beste lag noch vor mir.

Mit meinem kleinen Koffer im Schlepptau spazierte ich nach einer Stunde, die ich auf der Brooklyn Bridge einfach nur gebannt auf die Skyline starrte, zielstrebig in Richtung Times Square. Klingt erst mal nicht schwierig, gestaltete sich aber aufgrund des nicht vorhandenen Handyempfangs und einem, höchst wahrscheinlich uhrzeitbedingten Mangel an Menschen, die man nach dem Weg fragen konnte, etwas umständlicher als erwartet.

Gute zwei Stunden stiefelte ich also mit einem Affenzahn durch Chinatown und Little Italy, vorbei an deutlich mehr streunenden Tieren als Menschen, stets auf der Suche nach dem leuchtenden Giganten. 

Doch auch wenn mir heute noch ein wenig die Füße weh tun, wenn ich daran denke, hat sich der Aufwand in jeder Hinsicht gelohnt! Ich erreichte den Times Square um 2:30 Uhr nachts - die beste Zeit um das Mekka der Leuchtreklame zu betrachten, ohne von Menschenmassen tot getrampelt zu werden. Bis 5 Uhr morgens lag ich einfach nur da und schaute in den Himmel. Es war taghell. Und ich war überwältigt und glücklich zugleich.

Endspurt.

Die restlichen Stunden bis zur Weiterreise nach Boston verbrachte ich abwechselnd mit Handy laden im Starbucks und durch Manhattan irren. Schlussendlich wollten mich meine Füße aber dann doch nicht mehr tragen und ich musste gezwungenermaßen den Schmerzen nachgeben und mich am Busterminal parken. Zugegeben war ich nach nun mittlerweile 13 Stunden in New York und 31 Stunden ohne Schlaf ziemlich fertig und wollte einfach nur noch ankommen und möglichst schnell ins Bett.

Mit einer knappen Stunde Verspätung verließ mein Bus dann auch endlich die Stadt. New York, es war mir eine Ehre. Ich bin froh, dass es jetzt endlich weiter geht, aber ich komme gern wieder!